Ausstellungsansicht, „Genossin Sonne“
Foto: Jannis Wiebusch

Solare Kräfte

06. Oktober 2025

„Genossin Sonne“ im Dortmunder U – Ruhrkunst 10/25

Es ist Herbst, doch im U scheint die Sonne. An der Fassade und überall im Haus: in Aufzügen, neben Rolltreppen, vom Boden her. Ein Sonnengesicht mit freundlichen Kulleraugen lockt in die HMKV-Ausstellung. Um aber gleich klarzustellen: Niedlich ist da nichts, Bilder von sonnenbeschienenen Blumenwiesen sucht man vergebens. „Genossin Sonne“ handelt von Revolutionen und (möglichen?) Einflüssen der Sonne auf menschliches Leben und Wirken. Die große Schau auf 2 Etagen verbindet Medienkunst, künstlerische Forschung und Fantasie mit politischen Fragestellungen. Rund 30 Werke von 18 künstlerischen Positionen huldigen der Sonnen-Power – assoziativ, konzeptuell, mitunter versponnen und spekulativ, aber auch erhellend.

In abgedunkelten Ausstellungshallen kann man auf orange illuminierten Sitzinseln etliche Videoarbeiten konsumieren. Damit sich deren Sounds und Texte im offenen Raum nicht störend überlagern, erhält jeder einen Kopfhörer. Der Ton schaltet sich automatisch vor dem Monitor zu. Das kann man direkt ausprobieren vor Agnieszka Polskas animiertem Sonnengesicht auf Großbildschirm, das einen hinter dem Eingang auf U3 lieb anstrahlt. Der Kinderblick täuscht: „The New Sun“ (2017) spricht und singt emotional aufgewühlt über die Welt, die sie von oben betrachten muss. Dieses und sechs weitere Werke verstärken die 2024 in der Kunsthalle Wien erstmals gezeigte Schau. 

Auslöser waren Ideen sowjetischer Kosmisten wie des Biophysikers Chizhevsky, der 1924 Zusammenhänge zwischen zyklischen Sonnenstürmen und irdischen Umstürzen behauptete – ein Wandbild mit Zeitstrahl visualisiert dies. Handfesteres bietet dasPhotosynthese-Labor von Disnovation.org. Das Künstlerkollektiv verwandelt Algenkultur mit Sonnenlicht in essbare Biomasse und propagiert eine grüne Revolution. Einzelne historische Positionen wie Wolfgang Mattheuers Linolschnittserie „Suite‘89“ oder Otto Pienes Farbfleck-Diaprojektionen von 1966 stehen neben neuer esoterischer Malerei und Grafik, „Space Junk“-Objekten von Sonia Leimer oder Katharina Sieverdings betörender Wandprojektion der Sonnenaktivität, animiert aus 200.000 NASA-Fotos. Für alle Werke, speziell die Videos, ist es ratsam, sich in der Begleitbroschüre Kontext anzulesen. Die Alternative: aktiv abschalten und beim Yogatermin vor der Kunst den Sonnengruß üben.

Genossin Sonne | bis 18.1.2026 | HMKV im Dortmunder U, U3 und U6 | 0231 13 73 21 55

Claudia Heinrich

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