Es ist ein Vergnügen, den Werküberblick von Gerhard Hoehme in der Küppersmühle zu sehen: Die Malereien wirken frisch, obwohl sie aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts stammen. Sie sind überwiegend großformatig, dabei mit langgezogenen breiten Pinselstrichen großzügig angelegt und in ihrer Dynamik anregend. In Hoehmes bekanntester Werkphase ragen zudem farbige Kunststoff-Schläuche aus der abstrakten Bildfläche heraus, sie sind nach verschiedenen Seiten ausgerichtet und schlängeln sich teils auf dem Boden – damit ist Gerhard Hoehme (1920-1989) zu Lebzeiten berühmt geworden. Häufig handelt es sich um schräg zugeschnittene Bildtafeln, auf denen die Farbe expressiv aufgetragen ist und sich über die tiefen Kanten fortsetzt. Die Kunststoff-Schläuche brechen gleich an mehreren Stellen aus der Bildtafel, als würden sie sich zugleich unter der Oberfläche fortsetzen und vernetzen, ja als würde dort wie im Untergrund der Erde ein Lavastrom fließen. Mit dieser Erfindung hat Hoehme ab Mitte der 1960er Jahre auf einzigartige Weise das Tafelbild vitalisiert und räumlich erweitert. Immer kennzeichnet seine Werke ein spielerisches Zulassen bei gleichzeitiger Strenge und Präzision. Organisation trifft auf Zufälligkeit: feinfühlig und nervös in einem.
Alle paar Jahre wird Hoehme irgendwo in Deutschland mit einer umfassenden Ausstellung geehrt. Mit seinem frei gestischen Pinselduktus gilt er als einer der wichtigen Maler der informellen Kunst; er nahm an der documenta teil und wurde 1982 zu der Informel-Diskussion im Saarlandmuseum Saarbrücken eingeladen. Andererseits war er in seinem Werk doch zu experimentell und eigensinnig, um sich nur auf einen Kanon oder eine Erfindung zu beschränken.
In der Küppersmühle ist sein Werk in die Vita eingebettet. Prägend sind die Zeit als Kampfflieger im Zweiten Weltkrieg, der die Welt von oben sah und sie völlig abstrahiert in seinen Bildern wie aus der Vogelperspektive kartografiert, und die Aufenthalte in Italien, wo er außerhalb von Rom ein Atelier besaß und die dortige Landschaftsstruktur, die Vegetation, die Strukturen der Lava und die lichte Atmosphäre, gewiss auch die Mythologie in sich aufsog. Vorgestellt wird Hoehme aber auch als Professor der Kunstakademie Düsseldorf, der hier im Epizentrum der künstlerischen Avantgarde sein Werk weiterentwickelte. Ausgangspunkt seiner Arbeit aber war die realistische Malerei, im Besonderen von Landschaft und Natur. Die Landschaft wird in seiner Malerei schnell kleinteiliger und fällt zu Bildzeichen auseinander, sie führt aber auch in der Abfolge zur Collage, bei der abstrakte Strukturen wiederholt und variiert sind. So sind riesige, vibrierende Bildcollagen entstanden, unter Einbezug von Text und Zetteln mit Schrift. Schon diese Bilder weisen auf das Energische, das die Fläche sprengt und in Spannung setzt und regelrecht zu flattern beginnt. Jedes Werk entfaltet sein eigenes Leben. In der Duisburger Ausstellung wird all dies anschaulich und selbstverständlich. „enträtsel nicht die Orte“ – so lautet ihr Titel – ist ein Fest für den freien Geist in der Malerei.
Gerhard Hoehme – enträtsel nicht die Orte | bis 31.5. | MKM Museum Küppersmühle in Duisburg | 0203 30 19 48 11
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