Es gibt viele Gründe, die Werkschau von Germaine Krull (1897-1985) im Museum Folkwang zu sehen. Sie war eine Berühmtheit der Fotografie des „Neuen Sehens“ und Chronistin einer wechselhaften Zeit, die zu Widerstand und Stellungnahme herausforderte. Die komplexe Inszenierung der Ausstellung verdeutlicht, wie vielschichtig, sogar grundverschieden sichihr Werk über die Jahrzehnte entwickelt hat. Dabei geht es neben den Fotografien auch um ihre autobiografischen Schriften, die auch Manifeste und Essays umfassen. Seit 1995 befindet sich ihr Nachlass im Museum Folkwang.
Krulls Fotografie beginnt mit Aktaufnahmen und politisch motivierten Porträts. Geboren 1897 in Posen, hatte sie in München eine Ausbildung als Fotografin absolviert und danach ein Fotostudio eröffnet. Aufgrund ihrer Affinität zu den kommunistischen Revolutionären muss sie Bayern verlassen und zieht erst nach Moskau und dann nach Berlin, wo sie an der Gründung eines Kunstdruckverlags beteiligt ist. Zu den nachfolgenden Stationen gehören Amsterdam und ab 1926 Paris. Sie taucht dort in die Boheme ein und nimmt für die Zeitschrift Vu Fotoreportagen auf. Der erste Auftrag widmet sich dem Eiffelturm. Das führt sie 1928 zu der 64-teiligen Serie „Métal“, mit der sie bekannt wird. Diese zeigt nüchtern, teils im Ausschnitt und aus wechselnder Perspektive, Strebewerke und Maschinen und verweist auf industriellen Fortschritt und dessen Ästhetik. Ihr eigentliches Interesse aber gilt dem alltäglichen Leben, besonders den Markthändlern und den Clochards unter den Brücken der Seine. Eindrucksvoll sind ebenso die Porträts, etwa von Sergej Eisenstein und Jean Cocteau.
Germaine Krull, Portrait Jean Cocteau, Paris, um 1929, Silbergelatineabzug, 23,8 x 18 cm, © Nachlass Germaine Krull, Museum Folkwang, EssenDie Zeit in Paris und sodann Monaco endet mit dem Erstarken des NS-Regimes in Frankreich. Krull, die sich dem Widerstand um Charles de Gaulle anschließt, flieht 1941von Marseille aus unter schwierigen Umständen nach Rio de Janeiro. Als Propagandafotografin beauftragt von France Libre, übersiedelt sie von dort in den Kongo; ab 1944 ist sie als Kriegsberichterstatterin in Algier und im Elsass tätig. 1946 bis 1966 lebt sie in Bangkok als Managerin des Oriental-Hotels, und kehrt doch immer wieder in die Fotografie und zum Schreiben zurück. Sie fotografiert die Tempel in Kambodscha, die Buddha-Statuen und die Exil-Tibeter in Delhi, wo sie anschließend lebt, auch die Stadt Chandigarh. Monumentale Architektur erweist sich als zentrales Sujet ihrer späten Fotografie, die in der Essener Ausstellung umfassend gewürdigt wird. Daneben experimentiert sie mit dem Medium, sie arbeitet mit Überblendungen und verwendet Farbe, so auch in ihren „Silpagrammen“, die sie im Labor erarbeitet. Sie fasst ihre Fotografien in Büchern zusammen, die zunehmend von ihren Berichten bestimmt werden. Erst 1983 kehrt sie, hochbetagt, ganz nach Deutschland zurück. „Fotografie an sich ist keine Kunst. Aber Fotografen sind Künstler, sollten es sein“, sagte Germaine Krull 1967 in ihrer Ausstellung in der Cinemathèque Paris. Den Anspruch hat sie erfüllt und war zugleich Zeitzeugin – zu sehen nun in Essen.
Germaine Krull: Chien Fou. Autorin und Fotografin | bis 15.3. | Museum Folkwang Essen | 0201 884 54 44
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