„German Pop Art“ gibt es eigentlich gar nicht. Oder fast nicht. Was die Ludwiggalerie zeigt, ist Kunst der 60er-/70er-Jahre, Arbeiten auf Papier zumeist, Druckgrafik und Auflagenobjekte, die sich inhaltlich auf keinen gemeinsamen Nenner bringen lassen. Der Ausstellungstitel ist mehr ein Kunstgriff, um einen damals jungen Trend zu fassen: weg von Abstraktion und Informel, raus aus den Museen und rein in den Alltag. Mit Bildmotiven mitten aus dem Leben, aus Politik und Massenkultur, in poppigen Farben und klaren Formen. Kunst für alle, bezahlbar, oft frech und unbequem.
Was der Düsseldorfer Rechtsanwalt Heinz Beck (1923–1988) vorrangig sammelte, hatte eine Botschaft, wollte pointieren und provozieren, mal sehr drastisch, mal augenzwinkernd. Die aus Becks umfangreichem Nachlass ausgewählten ca. 180 Werke zeigen, thematisch gegliedert, bunte Vielfalt – und Überraschungen: Unter den 46 künstlerischen Positionen finden sich nicht nur große Namen, die man nie unter dem Label „Pop“ erwartet hätte, sondern auch echte Entdeckungen. Künstlerinnen z. B., die damals in der öffentlichen Wahrnehmung keine Rolle spielten. Und Künstler, die zu Unrecht kaum bekannt waren oder völlig in Vergessenheit gerieten. Wie Bodo Boden, von dem das Plakatmotiv zur Ausstellung stammt: ein leuchtend roter Lippenstift, der als riesenhaftes Spaceshuttle über die Mondoberfläche düst. Daneben Voigts Pixelbilder, Werbefotocollagen von Köthe oder Thomas Bayrles großformatige Automotive, die sich aus unzähligen Minibildchen desselben Motivs zusammensetzen. Auch dekorative Abstraktionen gehören zu erwartbaren Pop-Art-Exponaten.
Im Fokus der Ausstellung steht allerdings der kritische Zeitgeist. Teils ironisch gebrochen im sog. „Kapitalistischen Realismus“, einer Spielwiese von Richter, Lueg und Polke in jungen Jahren. Teils mit aufklärerischem Humor: Staecks Postkarten nehmen verlogene Politik aufs Korn, Vostell den Kapitalismus, Timm Ulrichs den Kunstmarkt. Auch Beuys fehlt nicht; Dada und Fluxus lassen grüßen. Andere arbeiten radikal und schonungslos, kombinieren z. B. Werbung, Sex- und Kriegsopferfotos, um gegen Aufrüstung und den Vietnamkrieg zu protestieren. Alles in allem kein einheitlicher Kunststil, sondern ein sehenswerter Einstieg in die 68er-Zeit in Deutschland – unterhaltsam wie aufrüttelnd.
German Pop Art – Zwischen Provokation und Mainstream. Die Sammlung Heinz Beck | bis 3.5. | Ludwiggalerie Schloss Oberhausen | 0208 412 49 28
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