Am Ende hat man „Glück“. Vor der hintersten Wand im MuT leuchtet ganz groß in warmem Gelbton der von Heike Weber handschriftlich aus meterlangen Lichtschläuchen geformte Begriff. Ein sonniges persönliches Schlusswort der Kölner Künstlerin. Dass sich LED-Kettenreste und Kabel wie improvisiert über den Boden schlängeln, vermittelt einen authentischen Eindruck. Aber zum Anfang.
Bereits am Haupteingang zum Schlosspark Weitmar begegnet einem das erste Werk der Ausstellung, aufgemacht wie Plakatwerbung (von Ken Lum) – das Foto einer lächelnden Schwarzen mittleren Alters, scheinbar fassungslos beglückt: „I can‘t believe I‘m in Paris.“ Mehr erfährt man nicht über sie. Ob man wohl eigenes Glück erfährt, wenn man einen Wunschzettel an Yoko Onos „Wish tree“ neben dem Museumseingang hängt? Stefan Wissels komplett mit Wodka geflutetes Sockelobjekt im Foyer unter Tage wählt einen anderen Weg. Jeder saugt halt Glücksgefühle aus anderen Quellen. Für Johanna von Monkiewitsch ist es ein Sonnenfleck, der eine halbe Std. lang über Schaumstoffblöcke wandert – ein wunderbar schlichter Video-Loop, der Zeit sichtbar macht und grad in seiner Leichtigkeit positive Energie ausstrahlt. Aus dem hinteren Raumteil ertönt ein Plätschern, verursacht von blau-weißen Tablettenkapseln, die im 3-Sekunden-Takt auf den Boden springen. Carsten Höllers Pillenmaschine spuckt die Dinger unentwegt aus einer Öffnung hoch oben in einem Pfeiler. Wenn die Apparatur bis zum Ausstellungsende durchhält, häuft sie 800.000 Pillen auf. Es sei denn, der Berg wird abgebaut: Man darf sich bedienen, Kunst schlucken, doch ohne zu wissen, was die Einnahme bewirkt – Risiko ist Teil der Arbeit.
Elf international renommierte Künstler und Künstlerinnen nähern sich dem flüchtigen oder erhofften Glück mit unterschiedlichen Mitteln und Medien. Gelebtes Leben spiegeln Barbara Hammers 1970er-Jahre-Videos rund um ihr befreiendes Coming-out oder Nan Goldins atmosphärische Fotos von Beziehungs- und Drogenexzessen. Zuletzt geht‘s um Zukunft: Träume von irischen „Traveller“-Kindern (Eckhardt), die Freiheit von hoch am Himmel kreisenden Möwen (Gonzalez-Torres), Webers leuchtender Glück-Wunsch. Das Thema hat viele Facetten. Der Ausstellung in Kooperation mit dem Kunstgeschichtlichen Institut der RUB ist eine inspirierende Auswahl geglückt.
Glückliche Tage | bis 20.10. | Museum unter Tage / Situation Kunst, Bochum | 0234 322 85 23
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