Gleich zweimal hat Hannah Höch (1889-1978) zur Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts beigetragen: innerhalb der Dada-Bewegung und mit der Erfindung der Collage. Dada traf mit seinen Sprachspielen, Aktionen und Vorträgen in den Jahren nach 1915 den Zeitgeist in Zürich, Berlin und New York. Die Collage entsprach dem als direkte Methode der Realitätsaneignung: als zeit- und gesellschaftskritisches Aufmerken in einem dokumentarischen Ton. Gemeinsam mit Raoul Hausmann entdeckt Höch 1918 die Collage als bildnerisches Prinzip. Sie schneidet einzelne Motive aus Zeitungen, Zeitschriften und Prospekten aus, ordnet sie auf der Fläche an und legt sie partiell übereinander. Auch setzt sie bisweilen Schrift hinzu. Sie arbeitet mit Dissonanzen, etwa indem sie Schnipsel der Zeitgeschichte in eine surreale Landschaft integriert. Daraus entsteht, verbrieft durch das Medium der Fotografie, eine neue unmittelbare Wirklichkeit.
Erst Ende der 20er Jahre aber etabliert sie sich damit und mit ihren – im Stil von Collagen konzipierten – Gemälden, Aquarellen und Fotomontagen, die teils sozialkritisch und visionär sind. Ab 1937 wird ihre Kunst als entartet diffamiert, für Hannah Höch beginnen unruhige Jahre des Reisens und der Unsicherheit. Sie zieht nach Heiligensee vor den Toren von Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird sie als Künstlerin und Zeitzeugin zu Dada international geehrt; von nun an ist eine kontinuierliche künstlerische Tätigkeit möglich.
Die Mülheimer Ausstellung wendet sich vor allem dem Werk nach 1945 zu, bezieht aber auch Arbeiten der 20er Jahre ein. Gegliedert in thematische Kapitel, verdeutlicht sie die Kontinuität der Motive in den Collagen. Hannah Höch hat sich ebenso dem urbanen Leben, dem häuslichen Alltag mit der Rolle der Frau und den politischen Ereignissen zugewandt, wie sie die Natur schildert und kosmologische Entwürfe vorlegt. Der Auftakt der Ausstellung aber ist das „Lebensbild“ (1972-73), in dem Höch Stationen ihres Lebens zeigt: als persönliches Resümee, geschaffen mit den Möglichkeiten der Collage. Eindrucksvoll!
„Hannah Höch. Revolutionärin der Kunst“ | bis 8.1. | Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr | 0208 455 41 38
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