Auch eine Technik: Diplomatie
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Herren des Krieges

30. Oktober 2025

Teil 2: Leitartikel – Warum Frieden eine Nebensache ist

Der Mensch ist erfinderisch. Er erfindet Steinbeil, Lochaxt, Rad. Technik! Technik, bezeichnet laut Wikipedia „zunächst die von Menschen gemachten Gegenstände, aber auch die Entstehung und Verwendung der technischen Sachen und das dafür erforderliche Können und Wissen“. Der Mensch denkt, bastelt, baut und macht. Und er macht kaputt – bevorzugt das, was andere Menschen bauen. Oder er macht einfach direkt die Menschen kaputt. Diesbezüglich stellt sich der Mensch sehr vielseitig auf: Dolch, Degen, Morgenstern. Revolver, Granate, Atombombe. Wer zerstört, setzt sich durch. So ist er nun mal, der Mensch – oder nennen wir die Sache doch direkt beim Namen: der Mann. Der Mann will sich durchsetzen und verantwortet damit eine sich über Jahrtausende ziehende Ära des Wett- und Aufrüstens. Bis sich Ende des 20. Jahrhunderts plötzlich ein völlig irres Konzept Bahn bricht: Abrüstung! Aber das hat sich bekanntlich nicht lang gehalten. Heute wissen wir: Wer abrüstet, hängt hinterher. Denn irgendeiner rüstet halt immer wieder auf. Und wenn einer aufrüstet, dann müssen alle aufrüsten. So ist das halt. Boys and their Toys.

Danke dem Mann

Um diese ganze Kriegstreiberei vor vernunftbegabteren Menschen zu rechtfertigen, machen die Kriegstreiber Konstruktiv aus Destruktiv. Denn: Atomkraft lässt sich ja auch zivil nutzen! Überhaupt zieht die Zivilgesellschaft doch unentwegt Gewinn aus militärischem Erfindergeist: Das Internet – wer hat’s erfunden? Das US-Verteidigungsministerium. GPS? Dient zuerst dem Krieg und erst dann orientierungslosen Autofahrer:innen. Selbst therapeutische Exoskelette entstammen dem militärischen Experiment. Und Sonnenbrillen werden erst massentauglich, nachdem Kampfpiloten sie sich aufsetzen. Ach, genau: Ohne Todesschuss kein Betäubungsschuss! Und so weiter. Wir sagen also alle mal demutsvoll Danke ans verdiente Kriegshandwerk!

Zufällig friedlich

Andererseits bekommt das Dankeschön bei einer groben Posten-Nutzen-Rechnung massive Risse. So vermag sich der zivile Nutzen von Landmine, Feldhaubitze und Massenvernichtungswaffe bis heute nicht so recht zu erschließen. Überhaupt: Wer sagt denn, dass wir heute kein Internet, GPS oder keine Sonnenbrillen hätten – ohne Verteidigungsministerium? Nun, keiner sagt das. Aber im großen Kriegs-Bastelkasten steckt halt das meiste Geld, siehe aktueller Verteidigungshaushalt. Folglich müssen viele Techniker und Ingenieure auch weiterhin erst gründlich übers Zerstören, Vernichten und Töten nachdenken, um dabei gelegentlich Nutzen für Menschheit, Erde und Klima herauszuziehen. Dabei war man nach dem Ende des Kalten Krieges durchaus auf einem guten Weg: Technik und Ingenieurskunst haben uns in Richtung Klimarettung ein gutes Stück vorangebracht. Technik aus friedlicheren Zeiten. Ja, auch SUVs eroberten die Welt in dieser Ära. Nur weil mal ein bisschen Frieden ist, treibt der Mensch ja trotzdem Unfug. Dann auf einmal „Zeitenwende“ – sprich: zurück auf Anfang. Einer dreht durch, alle drehen durch. 

Alle zusammen

Wie kommen wir also raus aus dem ewigen Kreislauf? Nun, scheinbar kann Technik im Hinblick auf Frieden vor allem eins tun: nichts. Kriegstreibende Technik ist erst einmal vor allem: kriegstreibend. Und friedensstiftende Technik? Friedensstiftende Technik gibt es nicht. Friedensstiftend ist Technik nur, wenn sie selbst kriegstreibend ist und damit den Gegner mit kriegstreibender Gesinnung abschreckt. Konsequent friedensstiftend kann also nur sein, kollektiv auf Kriegstechnik zu verzichten. Aber erzähl das mal deinem Mann.

Hartmut Ernst

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