Finster ist es im HMKV. Schwarze Wände, labyrinthische Gänge, unbestimmbare Geräusche – den leicht klaustrophobischen Parcours legt das Ausstellungsthema nahe. Es geht um feste Muster und vorgegebene Strukturen, in denen Menschen gefangen sind, um Warteschleifen, sich wiederholende Abläufe und den Umgang damit. Dies ist auch ein Grundmotiv in Büchern des Autors und Mitkurators Tom McCarthy, der die sechs künstlerischen Positionen zunächst in Oslo präsentierte und nun im Dortmunder U.
Zum Start fliegt man mit Susan Philipsz in einem Zweisitzer in die Berliner Luft. Die schottische Klangkünstlerin summt Brian Enos „Music for Airports“ ins Headset, während sie über dem verwaisten Areal des stillgelegten Flughafens Tegel 2021 ihre Kreise zieht. Ein melancholischer Abgesang in Super 8. So gefühlig sind die übrigen Arbeiten nicht, manches kommt etwas spröde und verkopft einher. Harun Farocki analysiert 2006/07 alle Spielzüge des Fußball-WM-Endspiels Deutschland – Italien in Echtzeit auf 12 Monitoren, simultan aus 12 Blickwinkeln und mit damaliger Digitaltechnik. Elisabeth Price‘ Sound-Text-Videozyklus kreiert Erzählungen von rätselhaften Riten, die zusätzlichen Infosupport, Zeit und Hirn fordern, um ihre Poesie zu entfalten. Stan Douglas‘ 6-stündige Doku einer Studio-Jam-Session entpuppt sich ebenfalls als fiktiv: Was man sieht, ist nicht das, was man kriegt und hört.
Erfrischend dezent und minimalistisch gewährte 1963 der schwedische Fluxuskünstler Åke Hodell Einblick in seine persönliche Vorhölle: In einer winzigen Partiturbroschüre verarbeitete er typografisch das Kommandogebrüll „I gevär!“ der Wachablösung vorm Stockholmer Königshof, dem er in seiner Wohnung ggü. jahrelang ausgeliefert war. Am eindringlichsten packt die große Rauminstallation von Stefan Panhans & Andrea Winkler das Thema an. Sperrgitter, Leitplanken, Stege, Podeste und Personenleitsystem-Teile versammeln sich rund um eine Videoprojektion, die reale und virtuelle Welten kunstvoll mixt. Im Ambiente eines Videospiels imitieren echte Tänzer die Bewegungen von Avataren, die wiederum Menschen imitieren. Was mitunter nicht ganz fehlerfrei gelingt. Faszinierend auch die ruckelige Kameraführung, die Bewegungsmuster einer Game Animation von 2016 simuliert und so die Realitätsebenen vollends verwirbelt.
Holding Pattern – Warteschleifen und andere Loops | bis 27.7. | HMKV im Dortmunder U | 0231 13 73 21 55
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