Bochum war, wer hätte das gedacht, in den 1970er-Jahren eine große Nummer in der Kunstwelt, 12 Jahre lang. So lange, wie die Bochumerin Inge Baecker (1943–2021) ihre Fluxus-Galerie hier betrieb – erst in Hamme, dann am Museum – und internationale Avantgarde ins Ruhrgebiet einlud. Bevor sie 1983 nach Köln abwanderte. Seit 2021 ist sie zurück, posthum: Ihren Nachlass vermachte sie dem Kunstmuseum, über 600 Werke und Erinnerungsstücke aus ihrer Galeristenzeit. Diesen Fundus hat man nun gesichtet und möchte mit einer Präsentation auf zwei Ausstellungsebenen „den Geist von Fluxus in die Gegenwart führen“.
Die in den 1960ern ins Leben gerufene Bewegung steht für Aufbruch und künstlerische Befreiung: Beuys, Vostell, Cage, Paik, Yoko Ono und Co. mochten ursprünglich keine elitäre Museumskunst produzieren, sondern mit eigenwilligen Live-Spektakeln die Kunst in den Alltag und auf die Straße holen. Wer wollte, machte mit! Galeristin Baecker holte nach und nach fast alle Akteure des globalen Netzwerks in die Stadt, lud zu Happenings, initiierte die legendären „Bochumer Kunstwochen“ im neu eröffneten Ruhr Park-Einkaufszentrum und konfrontierte die Kundschaft dabei auch mit frechen, konsumkritischen Aktionen. Das Live-Event zählte.
Entsprechend sehen wir nun keine klassische Kunstausstellung mit konventionellen Werken. Stattdessen Aktionsrelikte wie Takako Saitos Performancegewänder oder einen liegenden toten Baum, den Taka KagitomialsMusikinstrument präparierte, daneben jede Menge Dokumaterial, Fotos, Videos, Interviews, Briefe, Ideenskizzen und Notizzettel – mit Klebestreifen flapsig an die Wandgetaped, in Vitrinen gehäuft oder an Stellwänden und mobilem Stahlgestänge befestigt. Vieles betont provisorisch, flankiert von erläuternden Textplakaten. 38 Künstlernamen, renommierte Ehemalige neben zeitgenössischen Kunstschaffenden, die dem Fluxusgedanken nachspüren. Unter anderem mit einer neuen Version von Alison Knowles „House of Dust“, einer Rückzugshöhle mitten im Ausstellungsaum. Darsha Hewitts „Soundstation“ in Erinnerung an Milan Knizaks „Destruierte Musik“ und weitere Mitmachbereiche animieren die Besucher zum kreativen Bespielen. Die Nachlass-Schau vermittelt so zumindest eine vage Ahnung der damaligen Aufbruchsstimmung und der Bedeutung von Inge Baeckers Engagement.
How we met – Fluxus-Kunst aus dem Nachlass der Galeristin Inge Baecker | bis 1.2.2026 | Kunstmuseum Bochum | 0234 910 42 30
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