Bestellt schon Karten vor: Julian Scholten
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Im traurigen Monat November war‘s

29. Oktober 2015

Festivals gegen das Grau – Vorspann 11/15

Nun neigen sich die letzten warmen Sonnenstrahlen dem Ende zu. Der November naht. Ein Monat, der nicht gerade dazu einlädt, mit ihm verweilen zu wollen. Doch jenseits der Tristesse dieser Tage gibt es mehr, als dem Regen zuzusehen. Denn im November steht das Kino an der Ruhr ganz im Zeichen der Filmfestivals. Und das geht schon Ende Oktober los, wenn die Kinderfilmtage Ruhr wieder einen Kessel Buntes auf die Leinwand zaubern. Doch es sind vor allem die Festivals, die den Deutschen Film zelebrieren und eine Lanze brechen: für den Experimentalfilm und für den Dokumentarfilm.

Dass Dokumentarfilme spannend und aktuell sind, beweisen Filme wie „Democracy – Im Rausch der Daten“. Zum ersten Mal ist ein Kamerateam hautnah bei der Entstehung eines Gesetzes im Europäischen Parlament dabei, wo der zwei Politiker in ihrem Kampf um ein Datenschutzgesetz begleitet. Nur ein Werk von vielen, das sich nahtlos in die Duisburger Filmwoche einreiht, die am 2.11. beginnt. Das Festival des deutschsprachigen Dokumentarfilms präsentiert im filmforum zum 39. Mal die neuesten Produktionen. Inmitten der Filmwoche tritt dabei auch wieder das doxs! mit Dokumentarischem für Kinder und Jugendliche auf den Plan. Dabei gehen Dokumentarfilme auch dahin, wo es wehtut: „Die Menschenkinder“ etwa verhandelt über die gern tabuisierten sexuellen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen. Oder es geht um den Tod selber, wie in der Doku über den ewigen Mitternachtszuhörer Domian in „Interview mit dem Tod“. Dies nur zwei Programmpunkte des Kinofests Lünen, das sich zwischen dem 12. und dem 15.11. auch am äußersten Rande des Ruhrgebiets dem Deutschen Film verschreibt.

Gleichwohl sind auch jene Filme, die einmal bloß Werbung, Lehrfilm oder Unterhaltung sein sollten, aus historischer Sicht Dokumentarfilme. Denn auch sie konservieren und dokumentieren Zeiten, Menschen und Denken und sind damit wertvolles Kulturgut. So präsentiert IndustrieFilm Ruhr am 15.11. „Filmgeschichten aus Wirtschaftsarchiven“. Im altehrwürdigen Filmstudio Glückauf wird der Besucher tief in das Ruhrgebiet der Jahre zwischen 1934 und 2004 entführt werden. Dieses Ruhrgebiet ist ebenso auch beim blicke.Filmfestival Dreh- und Angelpunkt. Ab dem 25.11. lädt das Endstation.Kino zum genreübergreifenden Festival. Bunt geht es zu, wenn vom sperrigen Experimentalfilm bis zum gemeinen Musikclip alles an Bewegtbildern über die Leinwand flackert, das lokalen Bezug aufweist.

Wer vielleicht den internationalen Bezug im Kino an der Ruhr vermisst, muss auch nicht bangen. Denn auch in Zeiten, in denen Russlands Präsident Putin im Syrienkonflikt erneut in der Kritik steht, richten Astra und Lichtburg zum Ende des Monats nun zum 12. Mal das Festival der russischen Kultur aus. Mit russischem Kino zur Verständigung der Nationen beitragen, heißt es also.

Und auch amerikanisches Blockbusterkino kommt diesen Monat nicht zu kurz. Klassischer als mit dem neuen „James Bond“ kann das wohl kaum vonstattengehen. Dabei knüpft „Spectre“ direkt an seinen Vorgänger „Skyfall“ an. Wer es lieber historischer mag: Mit Michael Fassbender ist der November mit einer Neuverfilmung von Shakespeares „Macbeth“ dabei. Und für Fantasy-Fans hat das Warten ein Ende: Der letzte Akt der „Tribute von Panem“ erreicht die Großkinoleinwand mit Popcornkino-Garantie. So mag der November vielleicht grau werden – Kino an der Ruhr wird es mit Sicherheit nicht.

Julian Scholten

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