Stefan Ludwig: René, du bist in Mülheim groß geworden?
René Steinberg: Ja, in Mülheim-Heißen. Groß geworden bin ich in sogenannten kleinen Verhältnissen. Ich war halt so da. Ich hatte kurz vor dem Abitur keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Vom Arbeitsamt gab es dann ein Angebot: Biologielaborant und irgendwas anderes ganz Absurdes. – Wie war das bei dir? Und mit wem warst du schon unterwegs um den See?

SL: Mit vielen Comedians, mit denen ich gearbeitet und zu denen ich heute noch einen guten Kontakt habe, wie Hennes Bender, Ausbilder Schmidt, Bernhard Hoëcker und Sascha Grammel. Aus deinem WDR-Umfeld war ich zum Beispiel noch mit Radio-Moderator Uwe Schulz unterwegs. Ein sehr facettenreicher, kluger Mensch. Mit ihm war das eine Runde, wie sie mir auch noch nie passiert ist. Treffen sich zwei Journalisten... Er interessierte sich die ganze Zeit für mich... eine ganz anders verlaufene Runde. – Und wie ging es weiter bei dir?
RS: Durch einen Schulfreund wurde ich dann gewahr, dass man Germanistik auch studieren kann, sprich, sich damit beschäftigen kann, ohne Lehrer werden zu müssen. Ich hab mich dann an der Uni Essen für Germanistik auf Magister eingeschrieben und sehr schnell Praktika gemacht, auch bei der WAZ. Ich konnte überall mal ein bisschen reinschnuppern und gucken, was für mich das Beste wäre. Ich habe auch viel freie Mitarbeit im Journalismus ausprobiert. Das war eine großartige, intensive Zeit. Für die Weihnachtsausgabe der WAZ hab ich mich als Obdachloser verkleidet und bin zwei Stunden raus, um einen Selbsterfahrungsbericht zu schreiben. Bei der Antenne Ruhr, Comedy kam gerade auf, dachte ich mir eine eigene Serie aus. Aber es gab auch ein paar Nackenschläge. –Wie siehst du das als ein vom Schicksal Genackenschlagter? Du hast ja auch schon ganz schön was einstecken müssen.

SL: Ein Arbeitgeber fasste das mal so zusammen: Er zöge den Hut vor mir, dass ich mich für einen Job entscheide. Respekt davor, täglich den Arsch hoch zu kriegen und zur Arbeit zu gehen. Ich hab nie so gelebt, dass ich die Gesellschaft für mich aufkommen lassen will. Meine Behinderung hat ja mit einem Atemstillstand im Brutkasten angefangen. Viel früher kannst du dieses „Aufstehen müssen“ und „Arsch hochkriegen“ nicht lernen. Ich glaube, dass ein Gott entschieden hat, dass ich leben soll.
RS: Ist das für dich als gehandicapter Mensch wichtig, auch was in die Gemeinschaft hineinzugeben?
SL: Ich möchte, dass was Gutes von mir bleibt, wenn ich mal nicht mehr da sein sollte. – Und du, wenn die Kinder aus dem Haus sind, ziehst du endlich dahin, wo du auch gerne Fußball guckst?
RS: Haha. An den Phoenixsee. Gute Frage. Hab ich mir letztens noch so leise durch den Kopf gehen lassen. Ich bin aber mit Mülheim zufrieden, auch mit der beinahe dörflichen Struktur. Ich genieße diese Lebensqualität sehr. Ein Umzug? Wahrscheinlich nicht, da denke ich vielleicht nicht groß genug. Meine Frau kritisiert manchmal, dass ich so ein zufriedener Bremser bin. Sie sagt, jetzt lass uns doch mal… Ich habe eine Terrasse, unten steht ein Grill, im Keller ist ein Extra-Kühlschrank nur für Bier. Warum umziehen? Ich hab doch alles.
‚52Runden‘ gibt es auch in Buchform.
Mail an Stefan Ludwig über 52runden@gmx.de
Aktuelle Lesungen & mehr: www.52runden.de
Wer mit Stefan Ludwig den See umrundet, wird ein Gesprächserlebnis besonderer Art genießen, auch mit sich selbst. Er läuft weiterhin jede Woche um den See und sein 52-Runden-Kalender hat 2019 auch noch Lücken…
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