Lynn Hershman, Room of One´s Own, 1993/2006, Videostill, © Künstlerin
Foto: Künstlerin

In Bewegung

26. September 2013

Ein programmatischer Start in Duisburg – Ruhrkunst 10/13

„Stillstand gibt es nicht“, behauptet Jean Tinguely, und diese Sentenz, abgedruckt im Folder zur Ausstellung, klingt wie ein Motto des Museums selbst. In Krisenzeiten, in denen die Identität des LehmbruckMuseums – die Spezialisierung auf das Metier der Skulptur – etwas vernachlässigt wurde, setzt die neue Leiterin Söke Dinkla ein Zeichen und widmet sich erst einmal der Sammlung und dem, was Skulptur kennzeichnet. Ihre Ausstellung „Moving Sculptures – Bewegte Skulpturen“ thematisiert unterschiedliche Modi der Bewegung: der des Betrachters, aber auch der Kunstwerke selbst, sei es als elektrisch oder durch den Luftzug betriebene Konstruktionen oder virtuell in der Animation oder im Video.

Mit der Bewegung aber geht das Geräusch einher. Das kann in der Duisburger Ausstellung eine Stimme sein, Sound oder Trommelgewitter oder das Scheppern der Maschinerie von Jean Tinguely, die trotz ihres Titels „Märchenrelief“ ausgesprochen zeitkritisch ist. Als weiterer Protagonist der bewegten Skulptur wird neben Tinguely Stephan von Huene gewürdigt, dessen „Mann von Jüterborg“, der ohne Oberkörper auf einem Tisch „performt“, von den Staatlichen Museen Berlin geliehen wurde. Insgesamt wird in dieser Ausstellung ein breites Spektrum bedient. Als früheste Arbeit ist ein stilles, etwas abseits hängendes Mobile (um 1940) von Alexander Calder zu sehen. Eingeleitet wird die Ausstellung mit der animierten Videoinstallation „Süßer Wind im Gesicht“ von Yves Netzhammer, die für das Thema nicht gerade zwingend ist, aber einen wichtigen Beitrag zur Medienkunst darstellt und aus der eigenen Sammlung stammt.

Die Ausstellung veranschaulicht, wie wichtig Bewegung in allen ihren Formen für das Verständnis dreidimensionaler Kunst ist, und dass sie erst den Dialog mit dem Betrachter initiiert. Bedauerlich ist, dass die Skulpturen, Videos und Installationen zusammengedrängt sind. Aber auch das ist der Situation des Museums geschuldet: Der Lehmbruck-Trakt wird renoviert und der hintere Wechselausstellungsbereich ist noch durch die Ausstellung „Frauen – Liebe und Leben“ belegt.

„moving sculptures – Bewegte Skulpturen“ I bis auf Weiteres I LehmbruckMuseum, Duisburg I www.lehmbruckmuseum.de

THOMAS HIRSCH

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