Composing: Robert Michalak

Lohn der Angst

30. April 2026

Intro – Nach der Arbeit

 

Samstags gehört Vati mir! Der DGB setzte mit der Kampagne vor 60 Jahren immerhin die 5-Tage-Woche durch. Doch das war zu Zeiten als Vollbeschäftigung noch das Ziel war und im Ruhrgebiet allein in Kohle und Stahl 800.000 Leute malochten – Zulieferer, Einzelhandel und Kneipen nicht mitgerechnet. Die Schwerindustrie ist längst Geschichte und man sollte meinen, dass Lohnarbeit ein Auslaufmodell sei, zumal Roboter und Computer die Jobs erledigen könnten, für die Menschen jahrzehntelang unter Tage oder am Hochofen ihre Gesundheit ruiniert haben. Einerseits gehen so viele Menschen einer Beschäftigung nach wie noch nie, andererseits können immer weniger davon leben, weil Preise und Ausgaben steigen. Noch nie galten so viele Menschen als arm wie aktuell. Was spricht also gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen, was gegen flexiblere oder kürzere Arbeitszeiten? Über die 35-Stunden-Woche redet niemand mehr und die 4-Tage-Alternative gilt immer noch als exotische Lösung, wie nicht nur die Beiträge in diesem Heft zeigen. Wer vom bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) redet, macht sich verdächtig und gilt als Schmarotzer. Das trifft auch auf Menschen zu, die keine Arbeit mehr finden. Sie gelten als überflüssig, werden im doppelten Sinn als „nichts wert“ abgeschrieben. Eine Gesellschaft, die so mit ihren schwächsten Mitgliedern umgeht, hat keine Zukunft. Warum es sich jetzt erst recht lohnt, für ein besseres Leben einzutreten, zeigt unser Monatsthema Nach der Arbeit.

Unsere Leitartikel zeigen, weshalb das Recht auf Faulheit legitim ist, welche Folgen der Klassenkampf von oben hat und weshalb Arbeitslose nicht weniger wert sind als Beschäftigte.

In unseren Interviews sprechen der Gewerkschafter Stephan Krull über die Vorzüge kürzerer Arbeitszeiten, der Vermittlungsexperte Matthias Auer über die Chancen von Jung-Akademikern und der Philosoph Birger Priddat über Probleme eines bedingungslosen Einkommens.

In unseren Lokalbeiträgen erfahren wir von der Bonner Attac-AG „Genug für alle“, warum das BGE mehr als ein finanzieller Bonus ist, zeigt die Düsseldorfer Agentur Wake Up Communications, wie eine 4-Tage-Woche funktioniert und erklärt die Wuppertaler Initiative GESA, wie Arbeitslose nicht nur ins Arbeitsleben integriert werden können.

Wer arbeitet und am sozialen Leben teilhaben kann, fühlt sich besser. Das System hat jedoch ein Bewusstsein für einen Idealzustand geschaffen, den immer weniger erreichen können. Kämpfe um oder gegen die Arbeit sollten sich deshalb nicht nur darauf konzentrieren, ob und wie diese in ihrer derzeitigen Form zu retten und reformieren ist. Es braucht auch neue Ansätze, zumal die Bereitschaft dazu selbst bei den „natürlichen“ Verbündeten, nämlich den abhängig Beschäftigten und Abgehängten, immer mehr schwindet. Vati gehört niemandem, außer sich selbst und seinen Angehörigen und Freunden!

Holger Pauler

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