© Installationsansicht Jaume Plensa, MKM Museum Küppersmühle, Duisburg, 2026 © Jaume Plensa & VG Bildkunst, 2026
Foto: Mick Vincenz

Kopfsachen

29. August 2026

Jaume Plensa in Duisburg – Ruhrkunst 09/26

Es ist das Markenzeichen von Jaume Plensa: riesenhafte Frauenköpfe, in sich gekehrt, mit geschlossenen Augen. Man begegnet ihnen mitten im Stadtraum oder in der offenen Landschaft, weltweit, am Pier in New Jersey wie in Tokio, Chicago, Salzburg, in Barcelona, Heimatstadt des Bildhauers (geb. 1955), oder hierzulande im Wuppertaler Skulpturenpark. Und nun auch direkt vor der Küppersmühle: 7,5 m hoch, aus strahlend weißem Polyesterharz. Ein rätselhafter Reiz geht von dieser „Flora“ aus, von ihrem verweigerten Blick. Den eigenwillig verzerrten Proportionen, die alle Porträtskulpturen Plensas auszeichnen: eine unnatürlich schmale, in die Höhe gezogene Kopfform, die das menschliche Hirn beim Betrachten fortwährend ins rechte Maß stauchen möchte. Um diese Ambivalenz zwischen stiller Meditation und Wahrnehmungskitzel auszuloten, richtet das MKM dem Künstler seine umfangreichste museale Einzelausstellung aus, mit 50 Skulpturen, zahlreichen Arbeiten auf Papier sowie 5 Wandzeichnungen.

Direkt im Blickfeld im Foyer hängt ein 2 m hoher Bronzekopf von der Decke herab. „Cristina's Words“ (2021), sie bleiben ungesagt: Vor der Skulptur schwebt eine Bronzehand mit erhobenem Zeigefinger, der die Lippen verschließt. Auch weiteren Köpfen wurden Hände beigefügt, mal Ruhe gebietend, mal wie andächtig übereinandergelegt. Oder sie tragen, wie in der Installation „Entre Sueños V3.0“ (2025), einen liegenden Kopf. Dieses traumverlorene Ensemble, akzentuiert ausgeleuchtet, hat ästhetische Kraft und hütet sein Geheimnis.

Doch in der schieren Masse, eingezwängt im White Cube, verlieren die monumentalen Skulpturen die Poesie der unvermittelten Begegnung und schrumpfen zum bloßen Fotomotiv mit pittoresken Schattenwürfen. Das gilt speziell für Plensas „Nomaden“, den aus Buchstaben, Noten oder Schriftzeichen zusammengesetzten Riesenfiguren. Die Papierarbeiten, für die Plensa Kopf-/Gesichtsskizzen mit verwandten oder gegensätzlichen Begriffen verknüpft, wie auch blumigen Künstlerstatements an den Wänden kommen reichlich bedeutungsschwanger einher, pathetisch ohne echten Mehrwert. Etwas Poetisches bleibt aber dauerhaft hängen: die „Invisible Anna“ (2018), die gar nicht so unsichtbar ist, sondern eine 7 m hohe schwebende Erscheinung aus zartem Stahlgeflecht im Silo der ehemaligen Getreidemühle.

Jaume Plensa– Invisible | bis 1.11. | MKM Museum Küppersmühle, Duisburg | 0203 301948-11

Claudia Heinrich

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