In den 1950er/60er Jahren prägten Zeitschriften das Bild der Welt. Wie lebte es sich damals in fernen Ländern? Fotojournalisten wie die Französin Marie-Claude Deffarge (1924–1984) und der Luxemburger Gordian Troeller (1917–2003) reisten in die Fremde und wurden als Team berühmt für ihre gut recherchierten gesellschaftspolitischen Reportagen u.a. für den „Stern“. Und späterhin auch filmend für TV-Dokus, die zur besten Sendezeit enorme Quoten erzielten.
Dass das Museum Folkwang Deffarge & Troeller in einer opulenten Retrospektive über 10 Räume würdigt, hat viele Gründe. Der 100. Geburtstag von Deffarge. Dass beide fast in Vergessenheit geraten sind, obwohl ihr Engagement für interkulturelles Verständnis hochaktuell ist. Dass das Museum 2017 den gesamten fotografischen Nachlass aus rund 110.000 Negativen und 5000 Abzügen übereignet bekommen und nun so weit gesichtet hat, dass in Kooperation mit dem filmischen Nachlassverwalter CNA eine packende Länder- und Themenschau in sieben Kapiteln entstehen konnte. „Keine Bilder zum Träumen“ warnt der Ausstellungstitel zu Recht: Es geht um schonungslos aufklärerischen Journalismus mit Haltung, harter Stoff zum Teil, der einen emotional „anfasst“. Radikal subjektiv, oft kontrovers, doch immer in Augenhöhe mit den Menschen vor Ort.
Schon der erste Raum visualisiert mit Weltkarte die enorme Produktivität des Paares: unterwegs in 55 Ländern, viele auch mehrfach bereist, um Veränderungen immer neu zu beleuchten, ggf. auch Fehleinschätzungen zu korrigieren. Der Parcours ist medial abwechslungsreich gestaltet: originale Zeitungsausschnitte, Magazine, Bücher, Film- und Tonstationen mit Kopfhörern, ein kleines Kino für Dokus in Originallänge, Manuskripte und Arbeitsmaterialien. Und Thementableaus mit über 300 berührenden Fotografien.
Immer um Aktualität bemüht: Plakate mit Kommentaren zu den einstigen Reportagen von einheimischen Intellektuellen aus heutiger Sicht. Ein von einem iranischen Kunsthistorikerpaar kuratiertes Kapitel über den Iran ordnet ein und benennt Irrtümer. So begrüßte Troeller 1979 zunächst die Wiedereinführung des Hijabs als Befreiung von westlichem Einfluss und Rückbesinnung auf die eigene Kultur. Da kann die Kuratorin heute nur den Kopf schütteln. Auch diese Erkenntnis bietet die Schau: Jede Zeit wertet unterschiedlich.
Keine Bilder zum Träumen. Stern-Reportagen und Filme | bis 23.2. | Museum Folkwang, Essen | 0201 884 50 00
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