Was wäre, wenn nur zehn Millionen Chinesen ihre Zhongshan-Anzüge ausziehen und in T-Shirt und Bermudas am Jangtse posieren würden? Könnten wir einen Unterschied bemerken? Würden wir sie entspannter sehen? Was die Asiaten mit ihrer Uniformität an Zusammenhalt erzeugen, im Westen trennen Uniformen nicht nur nach Rang, sondern auch das Wesen der Charaktere. So jedenfalls scheint es, wenn man die wunderbare Ausstellung „Kleider machen Leute“ von Herlinde Koelbl im Dortmunder Museum für Kunst- und Kulturgeschichte besucht. Die renommierte Fotografin ist vier Jahre durch die Welt gereist und hat Menschen in ihrer Arbeitskleidung fotografiert.
Anders als in August Sanders Werkgruppe „Antlitz der Zeit“ von 1929 beschränkt Koelbl sich nicht auf 60 deutsche Menschen, sie interessierte sich eher für die einzelnen Berufe und deren, manchmal ja fast ständischen Bekleidung. Dass dabei dennoch quasi ein internationales Portrait des 21. Jahrhundert entstand, ein genialer Mitnahmeeffekt. Besonders spannend ist das parallele Foto in privater Kleidung, das nicht nur den Menschen, sondern auch Mimik und Körperhaltung verändert, es sieht dankbarerweise so aus, als sei dies kein rein deutsches Phänomen.

Am gravierendsten ist mir das am Bespiel der jungen Mongolin Batnesan Bal aufgefallen. Die First Lieutenant einer Antiterroreinheit ist der einzige weibliche Offizier, und auf ihre Uniform sehr stolz, die ihr Aufmerksamkeit und Respekt verleiht. Damit kann sie umgehen, entstammt sie doch einer Soldatenfamilie. Und so strahlt ihr Foto militärische Perfektion aus, mit ernster Miene schaut sie in Herlinde Koelbls Kamera, privat huscht ein Lächeln über ihr Gesicht, die Kleidung ist modisch lässig. Die Männer fänden sie so attraktiver, sagt sie. Warum nur?
Da hat es der deutsche Astronaut Ulrich Walter leichter. Auf beiden Fotografien kann er sich ein Lächeln nicht verkneifen. Kein Wunder, der Himmelsstürmer hat hart gearbeitet um sein Ziel im All zu erreichen. Jetzt fragen ihn die Leute, ob sie ihn berühren dürften. Wie ein Gott im Blaumann sieht er aber nicht gerade aus. Diese Ausstellung von 70 Menschen sollte man sich nicht entgehen lassen.
„Kleider machen Leute“ | bis 2.03. | Museum für Kunst- und Kulturgeschichte, Dortmund | 0231 502 60 28
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