
Was für eine anstrengende Woche! Und dabei ist erst Montag. Vormittag. In der Mittagspause haben Sie sich ein Eis verdient, ein Puddingteilchen oder die Bluetooth-Kopfhörer, mit deren Kauf Sie lange gehadert haben. Eine Belohnung wird die Laune nach diesem Wochenstart wieder heben. Dann ist die Mittagspause vorbei. Eis, Teilchen und eine Packung Kekse glucksen in Ihrem Magen vor sich hin. Doch wie haben sie geschmeckt? Darauf haben Sie keine Antwort. Lustlos haben Sie die süßen Kalorienbomben runtergeschlungen. Und die teuren Kopfhörer? Die liegen unausgepackt in der Tasche. Sie merken: Es ging weder um Geschmack noch um Hörgenuss. Sie wollten Ihren Frust durch den Akt des Kaufens abbauen.
Man sollte meinen, dass der Mensch kauft, um seine Bedürfnisse befriedigen. Lebensmittel, Hygieneartikel, Kleidung, Thermomix – um das Nötigste zu nennen. Dazu kommen Dinge, die das Leben angenehm machen; wir haben’s ja, der Krieg ist vorbei. Auto, Waschmaschine, ein guter Wein, ein großer Fernseher, ein zweiter Thermomix. Das zwölfteilige japanische Messerset – das, von dem Sie eh nur drei Messer gebrauchen werden, eines der Steakmesser nur zum Öffnen hartnäckiger Plastikverpackungen. Der Satz Alufelgen, das Windlicht vom Weihnachtsmarkt?
Nur das Nötigste
Wir kaufen, denn wir wollen unser Ego erfüllen oder ihm schmeicheln. Wir kaufen aus Angst, aus Freude. Um uns auszudrücken, um dazuzugehören. Der Gründe zum Kaufen sind viele. Die wenigsten sind rational.
Wie das aber so ist mit der Psyche, reicht oft ein bisschen zu viel, ein bisschen zu oft, damit die Irrationalität ungesund wird. Kaufsucht heißt die Krankheit. Im ICD-11, dem aktuellen internationalen Katalog der anerkannten Krankheiten, wird sie Zwangs-Kauf-Störung (engl. Compulsive Buying Disorder) genannt und den Impulskontrollstörungen zugeordnet. Plausibel wäre auch eine Zuordnung zu den Verhaltenssüchten. Beide Kategorien deuten die Symptome an: Der Konsum wird zur Zwangshandlung, über die Betroffene keine Kontrolle haben. Es wird eingekauft, egal, was Kontostand oder Familienmitglieder sagen. Selbst wenn die gar nichts mehr sagen, sondern nur noch der Gerichtsvollzieher mit einem spricht, wird weiter eingekauft.
Schätzungsweise fünf Prozent der Deutschen sind von Kaufsucht betroffen. Die Aufnahme der Krankheit in den ICD war ein wichtiger Schritt, denn nur, was als Krankheit anerkannt ist, hat die Chance, kassenärztlich behandelt zu werden.
10.000 Signale
Und eine Behandlung – auch Aufklärung und Prävention – sind wichtiger denn je. Seit Jahrzehnten beherrscht Werbung das Bild von Städten und Medien. Es scheint, Marketer haben die Stadtplaner ersetzt. Experten schätzen, dass wir etwa 10.000 Werbesignalen täglich ausgesetzt sind. Die Botschaft der allermeisten: „Kaufe! Konsumiere!
Dieser Botschaft nachzukommen, war noch nie einfacher. Ladenöffnungszeiten werden liberaler. Und natürlich gibt es Online-Shopping. Nicht einmal Donnerschlag und Blitze können uns nun am Konsum hindern. Virtuelles Geld verschleiert den Überblick über den Kontostand. Optimierte Benutzerführung führt den Benutzer optimal zum Kaufen-Button.
Warum gilt manchen Suchtforschern Alkohol als gefährlicher als Amphetamin? Zu großen Teilen wegen der einfachen Verfügbarkeit. Könnte Ecstasy den Montag erträglicher machen als Esskram und Elektronik?
Vielleicht. Es ist aber schwerer zu besorgen.
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