Große Fotografie, kleine Ausstellung: Angesichts der Tatsache, dass die Dortmunderin Annelise Kretschmer (1903–1987) zu den bedeutenden Fotopionierinnen der Weimarer Republik gehörte und gut ausgebildet als eine der ersten Frauen in den späten 1920er Jahren ihr eigenes Fotostudio eröffnete, dies bis ins hohe Alter betrieb und damit ihre Familie ernährte, ist die Präsentation im MKK zunächst etwas enttäuschend. Die große Wechselausstellungshalle im Erdgeschoss ist vorrangig für Highlights aus 800 Jahren Kunst aus der hauseigenen Sammlung reserviert. „Remix.800“ muss man erst mal rechts liegenlassen, um links hinten in den Kabinettraum zu gelangen, der unter dem etwas dick aufgetragenen Titel „Kosmos des Lebens“ 60 kleinformatige Schwarz-Weiß-Fotografien Kretschmers versammelt. Rund 50 Schaffensjahre werden in vier Themenbereichen gestreift. Zu sehen sind zwei Kameras, sieben Originalabzüge und in einer Vitrine zwei Foto-Leporellos der Künstlerin aus dem MKK-Bestand. Die übrigen Werke sind Reproduktionen aus dem Münsteraner LWL-Museum für Kunst und Kultur, das 2019 den Nachlass erwarb – 2.600 Fotografien und 13.000 Negative – und nach einer großen Kretschmer-Retrospektive in Münster nun eine komprimierte Wanderausstellung bis Juli 2025 durch acht NRW-Städte schickt.
Start ist in Kretschmers Heimatstadt und lebenslang zentraler Wirkungsstätte Dortmund, für die man sich eine etwas repräsentablere Schau hätte vorstellen können, mit ausführlicheren Infos zu den Bildmotiven (und Texttafeln ohne fehlende Satzteile …). Immerhin: Die Fotoauswahl entschädigt! Kretschmers feiner Blick für Licht und Schatten, großartig das Spiel von Texturen, Regentropfen am Fenster, Glasglanz in Vitrinen, Falten auf Stoffen und auch in Gesichtern. Persönlichkeit einzufangen war ihre besondere Profession – lebendige und höchst eindringliche Porträts von ihren vier Kindern, von Freunden und Menschen, die sie auf Reisen oder im Breisgau und Worpswede ablichtete, wo sie während der NS-Zeit lebte, und von Promis aus der Dortmunder Kulturszene der Nachkriegszeit. Selbst ihre Modeaufnahmen für Zeitschriften und als Werbung für das elterliche Modegeschäft nehmen stets die Models in den Fokus – immer nah dran am Menschen. Diesen intensiven Blick hat jedes der Kretschmer-Fotos selbst verdient.
Kosmos des Lebens. Die Fotografin Annelise Kretschmer | bis 21.4. | Museum für Kunst und Kulturgeschichte Dortmund | 0231 502 60 28
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