Leichter Grusel stellt sich immer noch ein, wenn ein gewisser Dr. Frankenstein in seinem geheimen Laboratorium mit Leichenteilen und Elektrizität hantierte. Der im 19. Jahrhundert hochmoderne Prometheus hat sich zwei Jahrhunderte später in ebenso geheime Bunker zurückgezogen, experimentiert dort mit Stammzellen, Samenbanken und tiefgefrorenem Löwenblut. Der Schweizer Fotograf Yann Mingard dokumentiert in seinem Projekt „Deposit“ diese Orte, an denen mythische Dinge geschehen, die Keimbahnen verändern, wo Tiere geklont werden und Universen voller digitaler Daten gesammelt werden, die in eine Zukunft weisen, von der wir noch gar nicht wissen, ob wir sie tatsächlich auch wollen. Das Langzeitprojekt des Fotografen, entstanden 2009 bis 2013, wird jetzt im Essener Folkwang-Museum ausgestellt. 21 Orte suchte Mingard auf, von Samenbanken in unterirdischen Bunkern bis hin zu traditionsreichen Forschungsstätten. Überall weht der literarische Geist Viktor Frankensteins, übrigens auch ein Schweizer, durch die dunklen Fotografien, deren ästhetische und analytische Blicke ziemlich überzeugend sind, und die die dokumentarische Grenze längst künstlerisch überschritten haben.
Es wird schwer, sich in der Ausstellung zu orientieren, auch wenn sie in vier große Kapitel geteilt ist. Der Blick scheint in ständiger Unruhe zu sein, hier ein Utensil zur Entnahme von Stammzellen aus der Nabelschnur (Private Bank für Nabelschnurblut, Lugano, Schweiz), dort eine Bananenpflanze im Reagenzglas (Institut für die Optimierung tropischer Pflanzen, Kath. Universität Leuven, Belgien). Von den „gefolterten“ Tieren ganz zu schweigen. Und immer alles terrorscharf, schick und brutal artifizell als Inkjet-Print an die Wand gehängt. Sollte Mephisto gleich um die Ecke schauen, mich hätte es nicht gewundert, es ist einfach eine theatralische Zurschaustellung von Möglichkeiten, der Natur ein Schnippchen schlagen zu wollen. Und die Debatte über Sinn und Unsinn derartiger Mechanismen und Depots wird gerade erst geführt.
„Yann Mingard – Deposit“ | bis 18.1.15 | Museum Folkwang, Essen | 0201 884 50 00
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