
Die PISA-Studien liefern alarmierende Ergebnisse: Immer weniger Kinder und Jugendliche lesen regelmäßig gedruckte Bücher, ein Viertel kann den Inhalt solcher Texte kaum verstehen. Mehr denn je sollten wir also bei Kindern die Lust am Lesen wecken. Das findet auch Caroline Wittig, die hierzu an der Bergischen Universität Wuppertal forscht. Die promovierte Grundschulpädagogin hat so einige Ideen, wie das klappen kann. Sie sieht sowohl Wissenschaft und Schulen in der Pflicht, als auch Eltern und Politik.
Mit anderen Augen
Wittig ist Lehrkraft für besondere Aufgaben in der Germanistik und Didaktik der deutschen Sprache und Literatur. „Literarische Bildung schafft kulturelle und gesellschaftliche Identität“, sagt sie gegenüber engels und fasst so zusammen, wie maßgeblich es ist, überhaupt lesen zu können. Sie stimmt hierbei nicht einfach dem wohl konservativsten Argument für Leseförderung zu, nämlich, dass wir uns auf einen Lesekanon verständigen sollten. Frei nach dem Motto: In einer gesunden Gesellschaft nickt man einander wissend zu, wenn Schiller zitiert wird. Sie betont dagegen, dass Lesen mehr sei. „Wer regelmäßig zum Vergnügen liest, kann in literarische Welten eintauchen, Fremdheitserfahrungen machen, den Horizont erweitern, kleinere und größere Sprachwunder erleben – und nimmt die Welt dadurch mit anderen Augen wahr“, sagte sie in einem Interview mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissen (GEW).
Text und Bild
Wittig will Literatur nicht dadurch retten, dass sie Kinder möglichst früh an einen (klassischen) Kanon heranführt. Sie fragt vielmehr, wie Kinder Zugang zu Geschichten finden – und welche Möglichkeiten Bilder, Klänge und szenische Darstellungen bieten. In der Schule würden die Lesewelten von Lehrplan und Schülern weit auseinandergehen. Unsere Medienwelt sei fast ausschließlich multimodal, sagt Wittig. Das heißt: Lesen ist heutzutage fast überall eingebettet in Bild, Ton oder Video. Sie bietet Seminare zum Thema „Theater in der Grundschule“ an, forscht zu Hörbüchern und Hörspielen und promovierte zum Einsatz von Comics im Unterricht. Wer unter Comics minderwertige Literatur verstehe, der „spricht dem Bild enorme Potenziale ab“, so Wittig. Jeder Kunsthistoriker würde das wohl unterstreichen. Comics können den Leseeinstieg erleichtern und Kinder an heutige Medienwelten heranführen.
Freude an Geschichten
Lesen heißt nicht nur, Texte zu verstehen. Es geht auch darum, was und wie Kinder lesen. Es ist ein sozialer Akt, eine kulturelle Aktivität. Kinder haben Freude an Geschichten, noch lange, bevor sie lesen können. Doch welche Geschichten sie kennen, ist unterschiedlich. Soziale Ungleichheit und familiäre Herkunft prägen diesen Hintergrund, deshalb müssten Schulen und Kitas früh kompensieren. Leider gelingt das nicht immer. Deshalb engagiert sich Caroline Wittig auch in der Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der GEW (AJuM), der sie als Leiterin der Landesstelle NRW vorsteht. Die gibt laufend (Vor-)Leseempfehlungen heraus, um Lehrkräften, Eltern und Bibliotheksangestellten die Arbeit zu erleichtern.
Bitte mehr Leseförderung
Wenn Geld und politischer Wille keine Rolle spielten, an welcher Schraube würde die Didaktikerin drehen? „Man müsste früher anfangen mit der Leseförderung mit mehr Angeboten für Familien, auch mehrsprachigen. Das kann die Freude am Lesen und am Buch wecken, und das geht gut in Bibliotheken, auch den Schulbibliotheken. Die müssten viel stärker gefördert und ausgebaut werden. Es sollten Orte sein, an denen sich Kinder gerne aufhalten.“
biograph |
choices |
engels und
trailer
- die online Kinoprogramme für
Bochum,
Bonn,
Castrop-Rauxel,
Dortmund,
Düsseldorf,
Duisburg,
Essen,
Frechen,
Gelsenkirchen,
Hagen,
Herne,
Hürth,
Köln,
Leverkusen,
Lünen,
Mülheim,
Neuss,
Oberhausen,
Recklinghausen,
Solingen und
Wuppertal