Bochum, 14. Juli: Der Aufgang gesäumt mit Luftballons, auf denen eine 60 steht. Das Bahnhofskino hat Geburtstag und empfängt seine Zuschauer mit Orangensaft und Sekt, zum Kinostart mit Popcorn. „An so einem Abend kommen die Besucher für einen einzelnen Film“, erzählt Sigrid Switala, Theaterleiterin des Kinos.
Der erste Film des heutigen Abends ist „Krieg und Frieden“ mit Audrey Hepburn, Henry Fonda und Mel Ferrer. Derselbe Film wie bei der Eröffnung 1957, als das Metropolis noch Bali hieß. Obwohl für Kostüme, Kamera und Regie nominiert, blieben für den Monumentalfilm mit über drei Stunden Länge die Oscars leider aus. Einige der Besucher waren damals bereits dabei. Horst Hammerschlag erinnert sich gut, wie er als 17jähriger am Bali anstand „Die Schlange ging über die Wandelhalle bis weit vor den Eingang des Bahnhofs.“ Heute ist er mit seiner Frau Edeltraud gekommen, die den Film noch nie in voller Länge gesehen hat. Beide sind entzückt: „Audrey Hepburn war eine sehr hübsche Frau.“
Frau Switala lässt die Entwicklung des Kinos bis heute Revue passieren: „Aus dem Raum, wo früher die Loge war, wird heute Popcorn verkauft. Der alte Aufgang wird heute kaum noch genutzt.“ Einige Elemente des Kinos sind auch noch nach der Bahnhofsrenovierung 2005 original: Wie das Treppenhaus oder die Kassenhäuschen.
„The Party“ ist der zweite Film des 60Jahr-Jubiläums, in schwarz-weiß. „Der Titel greift sehr gut die Stimmung des heutigen Abends auf. Auch deshalb haben wir ihn gewählt.“, so Switala. Ein Film der Berlinale mit einer außergewöhnlichen Besetzung. Politikerin Janet (Kristin Scott Thomas) lädt enge Freunde der britischen Upper Class zu sich nach Hause ein. Sie ist zur Gesundheitsministerin ernannt worden und das möchte sie feiern. Nach und nach kommen die Gäste: April (Patricia Clarkson), Janets beste Freundin, mit ihrem Mann Gottfried (Bruno Ganz), den sie stets abwertend kommentiert, die baldigen Drillingseltern Martha (Cherry Jones) und ihre Frau Jinny (Emily Mortimer) und Banker Tom (Cilian Murphy), der sichtlich nervös die Party betritt. Ein Geständnis ist der Ausgang für eine spannende Wende. Es hat einen beinahe kathartischen Effekt: Viele lang bewahrte Geheimnisse folgen innerhalb der Handlung, deren Schauplatz nur mit einer Location auskommt, Janets und Bills Wohnung. Mehr als eine skurrile Szene hinterlässt das Publikum mal erstaunt, dann gebannt oder sichtlich belustigt.
Viele der Besucher bleiben noch bis zu den Kurzfilmen – einem Zusammenschnitt aus Zeitlupe, Tom & Jerry oder der Disney-Version von H.C. Andersens „Das hässliche Entlein“ von 1939. Das Metropolis fühlt sich der Filmhistorie verpflichtet, schließlich ist es nach dem berühmten Stummfilmepos Fritz Langs benannt. Und aktuell zeigt es in der Reihe „Flashback Friday“ regelmäßig Klassiker der jüngeren Vergangenheit. Es ist eines der letzten Bahnhofskinos in NRW. Die Geräuschkulisse der Züge hört man hier nicht. Neben den klassischen Kinogängern nutzten es viele auch, um die Zeit zu überbrücken, falls man einen Zug verpasst hat. Oder finden einen Platz zum Aufwärmen – in diesem Jubiläums-Juli sind das aber wohl die wenigsten.
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