Gegen so viel Macht hat es Aufklärung schwer. Das zeigt schon Schillers Dramen-Klassiker „Don Karlos“. Dass dieses historische Drama und Abi-Pflicht-Stoff über den epischen Zoff im Hause der Habsburger auch Aspekte eines Politthrillers haben kann, zeigt zurzeit die Bühnenfassung im Schauspielhaus Bochum.
Vor der letzten Aufführung knüpfte auch der Soziologe Michael Hartmann in seinem Vortrag „Macht, Eliten und Familie. Über mächtige Familienclans der Gegenwart“ im Rahmen der Themenwoche „Dialog der Generationen“ an das Aufklärungsstück an: „Wenn man politisch daran geht, kann man fragen: Was charakterisiert die Habsburger? Geld und Macht!“ Dass sich daran nicht allzu viel geändert hat, ist quasi das Forschungsfeld von Hartmann, der zu den renommierten EliteforscherInnen gehört. Wie es um die Elite, die Familienclans in Deutschland bestellt ist, machte er schnell anhand einiger Zahlen und Statistiken klar: Was die Rangfolge der Millionäre angeht, sei die BRD hinter den USA und China auf Platz drei – insgesamt 22 Prozent des Reichtums in Deutschland nennen diese Millionäre ihr Eigen. „In Deutschland gibt es, auf die Einwohnerzahl bezogen, sehr viele Reiche.“
Doch auch innerhalb dieser Kaste geht es höchst ungleich zu: Ein gutes Drittel des Gesamtvermögens gehöre hierzulande dem oberersten Prozent – getoppt werde das nur durch USA und Schweiz. In der Rangfolge der Vermögenskonzentration liege Deutschland dagegen direkt hinter den USA auf Platz zwei, insgesamt 430 Milliarden haben diese Reichen und Superreichen in ihren Sparschweinen und ihrem Anlagevermögen. Doch egal, welche Statistik man nun nimmt, alle offenbaren das Gleiche: In Deutschland gibt es eine krasse Vermögenskonzentration. „Da hat man mal eine Vorstellung, wie viel Macht das sein kann“, fügt Hartmann hinzu.
Zwischen Rhein und Oder liege dieses Reichtum zudem in den Händen weniger Familien, wie der Elitenforscher ausführt: Unter den großen Konzernen gebe es hier in dieser Hinsicht und auch im internationalen Maßstab die größte Konzentration an Familienunternehmen.
Dass diesen Familien dadurch enorm viel Macht zukommt, ist klar: „Wenn Familien bestimmen, wird investiert oder nicht.“ Unmittelbaren politischen Einfluss haben dabei Stiftungen (wie z.B. die Bertelsmann-Stiftung), die zunehmend die öffentliche Hand ersetzen und in den klammen Kommunen in Kultur, Bildung und andere Bereiche investieren – bis hin zur völligen Abhängigkeit von Stiftungen. Das sei nicht zuletzt auch ein politisches Problem: „Das ist eine Verlagerung von demokratischen Entscheidungen zu denen von einzelnen Personen“, so Hartmann. „Da gibt es wirklich Parallelen zum Feudalsystem. Das ist ein feudales Mäzenatentum.“
Doch neben dieser direkten Form der Macht verweist Hartmann auch auf indirekten Einfluss – allen voran durch Medienimperien im Familienbesitz. Auf den Großteil der Medienkonzerne treffe das zu: Worüber wird berichtet, worüber nicht? Darüber entscheiden diese Familien.
Aus diesen Gründen hält Hartmann auch solche Vorträge: „Damit die Leute, die hier sitzen, dafür sorgen, dass so ein Thema nicht ganz verschwindet.“ Harte Aufklärungsarbeit. Oder wie Schiller in seinem „Don Karlos“ dem Feudalherren zurufen lässt: „Geben Sie Gedankenfreiheit.“
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