Tejal Shah, Between the Waves, 2012 5-Kanal Videoinstallation (Filmstill)
© Tejal Shah und Project 88

Schrott im Museum

04. Mai 2026

Ausstellung über Abfallentsorgung im Dortmunder U – Ruhrkunst 05/26

Kunst und Müll zu verbinden, ist für ein Museum riskant. „Ist das Kunst oder kann das weg?“, denken viele. Doch mit dem ausgelutschten Kalauer hat die „Müll“-Ausstellung im Dortmunder U nichts zu schaffen. Die vom Museum Ostwall kuratierte Schau widmet sich mit rund 50 internationalen Kunstwerken von den 1960ern bis heute einem ernsten, fortwährend aktuellen Thema: der problematischen Entsorgung unseres Wohlstandsmülls. Um ein Kunstpublikum aller Altersstufen für globale Abfallwirtschaft und Umweltschutz zu sensibilisieren, galt es, die Balance zu halten zwischen Kritik und Aufklärung, aber auch ästhetischer und kreativer Bereicherung. Das ist durchaus gelungen.

Schon von der Straße aus gerät das Thema in den Blick. Winkelmanns „Fliegende Bilder“ unter dem U-Turm verwirbeln farbenfrohen Plastikmüll. Auf Ebene 6 im U startet der Rundgang zunächst recht trostlos im fensterlosen Ausstellungsraum mit Baustellengittern, Stahltreppe, geschlossenen Rollläden und kaltem Spotlight auf Kunst der 1960er/70er Jahre, als Fluxusaktivisten wie HA Schult, Allan Kaprow oder Dieter Roth Kunst und Alltag miteinander verwebten und sich kritisch einmischten. Beispiele sind Schults freche Aktion „München Schackstraße“, die er 1969 knietief mit Haushaltsabfall zumüllte, Klaus Staecks provozierende Plakate oder Nancy Holts Pläne für die skulpturale Umformung einer Deponie. Bei historischen Werken konnte das Museum auf die eigene Sammlung zurückgreifen. Die Objekte, Installationen und Videoarbeiten im großzügigen hinteren Ausstellungsbereich sind dagegen jüngeren Datums, darunter zwei eigens neu konzipierte Multimediainstallationen: Futuristisch anmutende Stadtmodelle aus Elektroschrott, einen Berg aus Platinen und alten Rechnern aus Dortmunder Haushalten kann man dank VR-Brille auf einer historischen Modelleisenbahn virtuell umrunden.

Besonders anrührend und eindrücklich sind die Filmarbeiten. Synchrontänzerinnen in weißen Einhornkostümen, die eine Müllkippe als Bühne nutzen. Oder der nur geduldete nigerianische Akademiker in Hamburg, der mit Elektrogeräten für seine Heimat handelt, um zu überleben – eine Kurzdoku, die unter die Haut geht. Neben Kunst gibt es Kreativworkshops und viel Input zum Themenkomplex. Auch Umweltorganisationen wird Raum geboten – und damit die Kunstzone wieder verlassen.

Müll. Eine Ausstellung über die globalen Wege des Abfalls | bis 26.7. | Museum Ostwall im Dortmunder U | 0231 50-23247

Claudia Heinrich

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