Es ist die ideale Ausstellung für den Sommer – große Formate, viel Farbe, viel Figur, viel Abwechslung, großzügig präsentiert –, die aber nie an der Oberfläche hängen bleibt, stattdessen geheimnisvoll, aber nie hermetisch auftritt, und durch all das nicht allzu schwer wirkt. Vorgestellt werden unterschiedliche Künstler:innen der Gegenwart, alle stammen aus Deutschland. Die Ausstellung schließt da an, wo die Sammlungspräsentation im Neubau endet. Schon sie liefert einen exemplarischen Einblick in die Kunstströmungen seit den Nachkriegsjahrzehnten. Gemeinsam ist den Werken, dass sie aus der Sammlung Ströher stammen, die in den Bestand des Museums eingeflossen ist.
Die Schau im Wechselausstellungsbereich im Erdgeschoss nun zeigt Malerei, Skulptur und Fotografie von acht Persönlichkeiten der Gegenwartskunst. Sie beginnt mit Rolf-Gunter Dienst, dem einzigen abstrakten Künstler. Bekannt wurde er mit seinen bildfüllenden Reihungen zeichenhafter Kürzel, die als skripturale Handlung, aber auch gestisches Ausloten von Farbtönen erfahren werden können. Wunderbar, dass die Ausstellung frühe Werke der 1960er Jahre einbezieht, als Dienst mit diesem Vokabular zunächst organische Formen umriss. Die Affinität zum „Häkeln“ als ästhetischer Metapher aber wird betont, indem es an derselben Wand mit einem Wollbild von Rosemarie Trockel weitergeht. Dass die Kölner Künstlerin sich nie an Formalismen aufhält, sondern direkt auf die Inhalte abzielt, zeigen weiterhin die „Herdplatten“, die als Serie einen konkreten Minimalismus durchspielen – mit solchen Werken wurde sie als gesellschaftskritische, Rollenklischees entlarvende Künstlerin in den 1980er Jahren bekannt. Eine andere Form von Gesellschaftskritik hat Jörg Immendorff mit seinen überbordenden figürlichen Malereien, aber auch Plastiken verwirklicht – und indem er seinerseits auf Trockel folgt, wird deutlich, was alles zeitgleich in der Kunst passiert.
Die Momente des Übergangs stellen sich in diesem hohen, weiten Museum sogar durch die Schlitze der Durchgänge hinweg ein, die die hinteren Räume miteinander verbinden. Und doch flacht hier die Begeisterung etwas ab, obwohl die Präsentationen zwischen der Hängung einer einzigen Werkgruppe (Candida Höfer, Thomas Florschuetz), installativer Inszenierung (Stephan Balkenhol), dem Miteinander aus verschiedenen, aber zeitlich anschließenden Werkgruppen (Katharina Sieverding) und einem geradezu retrospektiven Überblick (Rissa) variieren – vielleicht fehlen nun einfach die Kontrapunkte, die Zuspitzungen.
Trotzdem, man kann gelassen durch die Ausstellung flanieren, sich in einzelne Bilder versenken, andere Künstler übersehen und dann wieder gezielt Erkenntnisse zu ihren Werken ableiten. Übrigens ist die Ausstellung auch eine Bilanz mit Wiedererkennungswert. Nicht nur, dass einzelne Künstler ebenso in den oberen Sammlungsräumen vertreten sind, sondern die Mehrzahl hat sich hier bereits mit eigenen Ausstellungen vorgestellt. Wird dahinter also nicht auch das Konzept des Museum Küppersmühle sichtbar? Es gibt wirklich verschiedene Möglichkeiten, sich auf diese Ausstellung einzulassen.
Full House | bis 9.10. | MKM Museum Küppersmühle Duisburg | 0203 30 19 48 11
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