„Wenn einer der mit Mühe kaum, gekrochen ist auf einen Baum…“ Dieses Wilhelm-Busch-Zitat schafft Bilder, es lässt grinsen und sich erinnern an den alten, abgegriffenen rötlichen Schinken, der früher immer bei der Oma im Regal stand und der anzog, wilde Geschichten und lustige Zeichnungen zu entdecken von einem Künstler, der im 19. Jahrhundert gelebt und gearbeitet hat. Und ja „… schon meint dass er ein Vogel wär, so irrt sich der“ (Busch, 1894). Zitat perdu. Der Frosch ist abgestürzt, die Liebe zu den Bildergeschichten war erwacht, und es kamen tausende hinzu. Spielten die ersten noch in Entenhausen, haben sie später erst den Planeten verlassen und dann gar die Galaxis. Comics, anfangs noch als Groschenhefte verpönt, entwickelten sich zu einer eigenständigen Kunstform. Die Ludwiggalerie in Oberhausen zeigt nun mit „Streich auf Streich“ die erste große Gesamtschau zur Geschichte und Entwicklung des Comics im deutschsprachigen Raum. Genau, es gab und gibt sie immer noch, die Alternativen zu Micky Maus (ab 1951), Superman und den zahlreichen Helden des Marvel-Universums. Schon sehr früh machten hier die gezeichneten Bildergeschichten Furore, und der Zeichner Wilhelm Busch (1832-1908) gilt mit „Max und Moritz“ (1864) als Urvater des gesamten Genres.
Also rein in das schicke Schloss in Oberhausen, und bringen sie ausreichend Zeit mit. Viel ist zu entdecken, viel zu schmunzeln. (Wussten Sie etwa, dass man Sprockhövel erreicht, wenn man durch ein schwarzes Loch reist? Jamiri weiß es.) Die meisten der knapp 300 Originalzeichnungen und über 60 Erstdrucke aus den großen Comic-Reihen müssen erst visuell erschlossen werden, und es waren tatsächlich die Zeitungsverleger, die die ganz großen Räder drehten, weil die kurzen Strichgeschichten Auflage machten und Leser banden, denken wir nur an den unvergessenen Helden Nick Knatterton (ab 1950 für Quick), den Hör-Zu-Klassiker Mecki (ab 1949) oder die etwas stilleren „Vater und Sohn“ aus den Zwischenkriegszeiten. Dabei waren es auch deutschstämmige Meister wie Rudolph und Gustav (Gus) Dirks oder auch der Bauhaus-Pionier Lyonel Feininger, die den amerikanischen Markt aufmischten und in den Originalzeitungsseiten zu sehen sind.
In den späten 60er Jahren endeckten dann die alternativen Spontis das Medium als Kampfinstrument gegen Establishment, Politfuzzis und für die geistige Befreiung, wenn viele das dem Medium auch nicht zutrauten. Unvergessen Gerhard Seyfrieds „Freaks“ und seine bescheidene Aufgabe alsChronist und Symbol der linken Szene in Kreuzberg. Aber auch Chlodwig Poth mit seiner großartigen „progressiven Alltag“-Serie oder Robert Gernhardts „Pardon“-Cartoons sind Meilensteine typisch deutscher Comicstrukturen. Sie alle kann man in Oberhausen auf drei Etagen finden, entdecken oder erinnern. Die jüngste Bildergeschichten-Generation hat den Frauenanteil zu Recht vervielfacht und das nicht nur im Manga-Segment, auch Martina Peters‘ oder Isabel Kreitz‘ Arbeiten sind da zu entdecken. Ich suche allerdings gerade eher meine alten Sigurd-Hefte im kleinen Querformat, die sind doch wohl nicht weggekommen.
„Streich auf Streich“ | bis 18.1. | Ludwiggalerie Oberhausen | 0208 412 49 28
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