Essen, 1. Mai – Was machen mit den Ruinen der Revier-Identität, den Fördertürmen und Verarbeitungsanlagen, den Gebläsehallen und stummen Kokereien? Man könnte sie des nachts doch hübsch beleuchten, entschied man in Kulturbüros. Industriekultur heißt diese Verklärung von harter Maloche, Schuften bis zum Tod und Ausbeutung. Und auch wenn Adolf Winkelmann mit seiner legendären Ruhrgebiets-Trilogie Feinfühligkeit für den Charme seiner Heimat bewiesen hat, muss sich das Bergmanns-Drama „Junges Licht" doch die Frage gefallen lassen, ob es nicht selbst Teil dieser Verklärung ist. Passgenau am Tag der Arbeit feierte der Film in der Essener Lichtburg Premiere. Zwei Kinosäle waren restlos ausverkauft.
Bergmann oder Koker
Der Film beginnt mit dem Steigerlied: Doch das helle Licht ist noch nicht entzündt', wir hören in dunklen Stollen die zarten Klänge einer Spieluhr, alle paar Momente zertrümmert vom brutalen Rattern der Presslufthämmer. Dieses Wechselspiel begleitet uns gewissermaßen durch den ganzen Film: Wir lernen Menschen kennen, lieben, dann wieder hassen um sie am Ende zu nehmen wie sie sind: Den Bergmann Walter Collien (Charly Hübner), ein friedlicher Riese, der sich eigentlich nur die Miracoli nach der Maloche wünscht. Zum Ehemann möchte frau ihn vermutlich nicht – deshalb versteht man auch die hysterische Ehefrau Liesel (Lina Beckmann). Schließlich erleidet sie einen Nervenzusammenbruch und Vater Walter bleibt mit Sohn Julian (Oscar Brose) in der Siedlung. Und dann ist da noch Marusha (Greta Sophie Schmidt), Revier-Lolita und Schönheit vom Balkon nebenan.

Aus Julians Sicht lernen wir das Revier der frühen 60er kennen: Aus der Froschperspektive eines fast 13-jährigen blickt der Zuschauer auf Familiendramen, skurrile Jugendgangs und vom Balkon der kleinen Wohnung hinab auf das riesige, dampfende Industriegelände. Wenn er mit seinem Vater, den er so verehrt, dort sitzt, wirken beide so verschwindend klein vor diesem Moloch. „Noch bist du frei", freut sich Walter für seinen Sohn: „Du kannst Bergmann werden oder Koker."
Ein Denkmal ohne Verklärung
Einige Wochen zuvor, bei der Präsentation des Trailers zu „Junges Licht" in der Dortmunder Schauburg, sagte Regisseur Winkelmann, dieser Film sei der, den er schon zu Zeiten der Ruhrgebiets-Trilogie eigentlich habe machen wollen. Die Idee, den gleichnamigen Roman von Rolf Rothmann auf die Leinwand zu bringen, kam aber von den Drehbuchautoren Nils und Till Beckmann. Winkelmann war sofort begeistert, wie er nach der Premiere verriet: „Woher weiß der Rothmann, was in meiner Kindheit losgewesen ist?"

Und was damals losgewesen ist, will Winkelmann weder beschönigen noch beklagen. Das lobte auch Werner Müller von der RAG-Stiftung, der vor Filmbeginn eine kurze Ansprache hielt: „Dieser Film ist ein einzigartiges Denkmal für die Bergleute", sagte er. Klingt ein wenig nach jener Verklärung, von der eben die Rede war. Doch de zahlreichen Brechungen, durch Gewalt, Sexualität und vor allen Dingen Humor, machen die Seele des Films aus, jene Seele, die der Industriekultur-Kitsch oft vermissen lässt. Mit dem hat Adolf Winkelmanns „Junges Licht" nichts gemein. Es ist vielmehr die Antwort darauf.

trailer verlost 2 DVD-Boxen zu Adolf Winkelmanns Ruhrgebietstrilogie.
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