Eine Ausstellung rund um Illustrationen der Astrid-Lindgren-Bücher zu bewerben, ist eigentlich unnötig. Die Räume sind voll, die Stimmung gut, strahlende Gesichter jeden Alters. Für die Kleinsten hat man in Oberhausen sogar ganze Bildfolgen auf Kniehöhe gehängt, dort, wo die Großen herzerwärmende Bonmots der schwedischen Autorin entdecken. Ansonsten haben in „Lindgrens Welt in Bildern“ 13 Grafikerinnen und Grafiker das … Bild. Es gibt viel zu sehen und mit nostalgischem Blick neu wiederzuentdecken: rund 570 Originale und etliches Begleitmaterial rund um Buchkünstler, die seit 1950 Pippi Langstrumpf, Kalle Blomquist, Michel, Ronja, die Kinder von Bullerbü mit flottem Strich in Szene setzten. Im Stil ihrer Zeit, mit dynamischem Witz oder zarter Poesie, mal eng am Text, mal künstlerisch freier, mit unverwechselbarem Charme. Wer als Kind Lindgren-Bücher verschlungen hat, in dessen Bildgedächtnis haben sich die Illus eingebrannt und fest mit den Geschichten verbunden.
Wie das kulleräugige Mädchen mit Stupsnase, Sommersprossen, roten Zöpfen, unterschiedlichen Strümpfen und viel zu großen Schuhen, das Walter Scharnweber für die blauen Cover der 3 Pippi-Bände kreierte. Legendär. So startet die Ausstellung auch mit Lindgrens bekanntester Kinderfigur. Und Scharnwebers Grafiken der deutschen Erstausgabe 1949 neben Neuinterpretationen von Katrin Engelking, die seit 2002 mit kräftigen Farbstiften und Humor Pippis Abenteuer zeitgemäß aufbereitet. Rolf Rettich setzte 1967 mit seinen detailverliebten Wimmelbild-Tuschzeichnungen wieder ganz andere Akzente. Und es ist ein Genuss, diese unterschiedlichen Stile zu vergleichen, Buch für Buch und Bild für Bild. Mal geht es um Stimmungen, mal um Psychologie, mal mehr darum, Details der Story zu betonen oder auch schlicht, mit faszinierend lustigen Bildideen zu unterhalten. Björn Bergs flotte Karikaturen rund um Michel aus Lönneberga machen auch nach 60 Jahren noch Spaß, die Ausdrucksvielfalt der estnischen Grafikerin Ilon Wikland beeindruckt. Auf drei Etagen lernt man diese Menschen hinter den Bildern ein bisschen kennen, ebenso, wie Buchgestaltung in analogen Zeiten ablief. Und natürlich gibt es auch Lindgren-Bücher zum Blättern: für eine kurze Alltagsflucht zurück in Kinderzeiten, als die Welt noch heile und Probleme lösbar waren.
Pustekuchen, Schabernack und Plutimikation – Astrid Lindgrens Welt in Bildern | bis 17.1.2027 | Ludwiggalerie Schloss Oberhausen | 0208 4124928
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