Playmodes Studio, Signes, 2023
© Playmodes Studio

Im Bann der Impulse

03. Juni 2024

„Radiant“ im Lichtkunstzentrum Unna – Ruhrkunst 06/24

Das lateinische „Radiant“ heißt übersetzt „sie strahlen“. Das tun sie auch, die drei Rauminstallationen der gleichnamigen Ausstellung im Lichtkunstzentrum. Der „fortschrittlichsten“ unter seiner Regie, strahlt auch Museumsleiter John Jaspers. Das Ergebnis präsentiert sich audiovisuell: Diesmal steht nicht das Licht allein als künstlerisches Material im Fokus, sondern auch, wie es auf Klänge und Geräusche reagiert. Die beteiligten Künstler(-Teams) arbeiten interdisziplinär mit aktuellsten digitalen Technologien, um atmosphärische Gesamterlebnisse zu erzeugen. Stichwort „immersiv“ – das rustikale Brauereikeller-Ambiente spielt immer mit. Die Abfolge der Werke in den drei verbundenen Kellern des Wechselausstellungstrakts bildet einen Dreiklang: von meditativ über interaktiv zum dynamischen Bildgewitter.

Der lange, schmale erste Raum ist ein entspannender Einstieg. Die kinetische Installation „Signs“ des spanischen Künstler-Duos Playmodes Studio erstreckt sich über die nahezu gesamte rechte Längswand. 48 bewegliche Leuchtstäbe drehen und kippen sich zu variierenden sphärischen Klängen und farbigen Illuminationen in fortwährend neue Anordnungen – von einem Algorithmus gesteuert, der Wiederholungen ausschließt. Das visuelle Wandbild tendiert dabei stets zu Symmetrien. Im sanften Licht-Form-Wechsel kann man abschalten und kommt trotz Sound zur Ruhe. 

„Anima“ (2014) im mittleren Raum, die mit pulsierenden Farbschlieren animierte, von der Decke hängende Kugel des Niederländers Nick Verstand, hat die Anmutung eines Planeten von ungewisser Materialität. Die fluide Projektion, die auf Bewegung im Raum reagiert, überzeugt auf Fotos mehr als vor Ort, vielleicht, weil in ihrem Licht die Aufhängung sichtbar ist und die Schwebe-Illusion stört. Oder weil sich Klänge aus den Nachbarräumen einmischen und man kaum wahrnimmt, dass man mit dem Objekt „kommunizieren“, Farben und Töne erzeugen kann. 

Den rasanten Schlussakzent setzt in Raum 3 das Medienkunst-Kollektiv Tundra mit einem Feuerwerk aus ornamentalen, geometrischen, figurativen Hologrammen, die 10 hintereinander gereihte Projektoren im Sekundentakt generieren. „Row“ reagiert auf Hintergrundtöne mit flirrenden Bilderketten von enormer Sogkraft. Man mag sich kaum losreißen aus dem Berieselungsgriff dieser faszinierenden visuellen Überraschungen.

Radiant | bis 27.10. | Internationales Zentrum für Lichtkunst, Unna | 02303 103 45 67

Claudia Heinrich

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