Die beiden christlichen Kirchen genießen viele Privilegien im deutschen Staat, die ihnen einen großen Einfluss auf die gegenwärtige Gesellschaft erlauben. Gleichzeitig sinkt die Zahl der gläubigen Christen in Deutschland kontinuierlich und damit verringert sich auch die Legitimität ihrer Stellung. Besitzt die Kirche ihren Einfluss zu Recht und hat sie ihn je zu Recht besessen? Die Antwort der Initiative Religionsfrei im Revier und des Wissenschaftlers und Autors des Buches „Kirchenrepublik Deutschland“, dessen Forschungsergebnisse vorgestellt werden, lautet eindeutig „nein!“.
Die Abneigung gegen die Macht der Kirche ist keine Überraschung, denn Religionsfrei im Revier nennt auf ihrer Website die Schaffung einer „Lobby für Konfessionsfreie” und eines Raumes, der uns „in dieser Gesellschaft ein von Religionen unbehelligtes Leben ermöglicht“ als ihr Ziel. Die Fronten sind also von Anfang an geklärt. Die Lesung beginnt eigentlich schon, bevor Carsten Frerck nur ein Wort gesagt hat. Auf der Leinwand ist ein Informationstext eingeblendet, auf dem darauf hingewiesen wird, dass die Initiative wegen des Zeigens des Films „Das Leben des Brian“ an Karfreitag von der Stadt Bochum zu einem Bußgeld wegen eines Verstoßes gegen das Feiertagsgesetz verurteilt wurde, gegen das die Initiative Einspruch erhebt. Erwartungsgemäß finden sich im Publikum viele Unterstützer und Mitglieder der Initiative Religionsfrei im Revier.
Frerck zeichnet den Lobbyismus der beiden christlichen Kirchen in Deutschland seit dem Kriegsende 1945 nach, den der promovierte Historiker in 20 Monaten detailliert erforscht hat. Er zeichnet nach, wie sich die christlichen Kirchen in der Nachkriegszeit als moralische Autorität positionierten, ihren Einfluss stetig weiter ausbauen konnten und ihre Privilegien bis heute ohne gesetzliche Grundlage selbstbewusst nutzen. Er erläutert anhand von Forschungsergebnissen und eigenen Erfahrungen das weitgespannte Netz ihrer versteckten Lobbyarbeit jenseits der Legalität und ihrer Einfluss auf die Politik, „von dem Automobilkonzerne und die Atomlobby nur träumen können“. Der Vortrag fokussiert dabei zwischenzeitlich recht einseitig auf die „böse Kirche“ und die Politik als ihr Opfer und verrennt sich in vergleichsweise unbedeutenden Kleinigkeiten. So wurde beispielsweise das jährlich stattfindende Adventssingen im Bundestag als Indiz für den umfassenden Einfluss der Kirchen auf die Politik sehr ausführlich besprochen. Doch er sei nicht gegen die Kirche, die versuche ihre eigenen Interessen durchzusetzen, betont Frerck, sondern er habe das Ziel, den Staat aufzurütteln, der sich von der Kirche gefügig machen lasse.
Immer wieder werden jedoch Denkanstöße zum Verhältnis von Staat und Kirche gegeben. Zum Beispiel, ob es richtig sei, dass die christlichen Kirchen zwar über erhebliche Einnahmen verfügten, aber steuerrechtlich stark begünstigt würden, dass Kirchenlobbyisten zwischen hohen Staats- und Kirchenämtern fast unbemerkt hin- und herwechselten und dass die Kirchen ihre Finanzen nicht offenlegen müssten. Ein entscheidender Punkt kommt ganz am Ende des Vortrags zur Sprache. Die Kirche greife im Gegensatz zu anderen Lobbyisten in den Lebensentwurf des Einzelnen ein, was die Diskussionen über Sterbehilfe unmöglich mache, da sie das Recht, das Ende des Lebens zu bestimmen, für sich alleine beanspruche. Ob sie das darf und sollte, darüber lohnt es sich in jedem Fall nachzudenken.
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