Zum 50-Jährigen schaut das Josef Albers Museum zurück auf den Beginn seines Ausstellungsprogramms „jenseits von Albers“. Die allererste Einzelschau im Herbst 1976 widmete es einem weiteren bedeutenden Vertreter der konstruktiv-konkreten Malerei: Richard Paul Lohse (1902–1988). Zum Quadrat-Jubiläum steht sein Lebenswerk nun erneut im Fokus.
Die Retrospektive, die auch durch kooperierende Institutionen in Zürich, Lugano und Ludwigshafen wandert, zeichnet von Raum zu Raum chronologisch die wichtigsten Ausstellungsetappen nach und versammelt einige der dort präsentierten Werke – teils in Dialog mit Arbeiten berühmter Zeitgenossen. Vom (überraschend) dynamischen Frühwerk der 1940er Jahre bewegt man sich von Amsterdam (1961) über Sao Paolo Bienale 1965, documenta 4 (1968) und Venedig-Biennale 1972 durch Bottrop (1976) bis zur letzten Ausstellung in New York (1988), deren Eröffnung der 86-Jährige nicht mehr erlebte.
Dem sozial und politisch engagierten Grafiker aus Zürich war Gleichheit und Gerechtigkeit zeitlebens das höchste Ziel – im menschlichen Miteinander wie auch in der Bildproduktion. Jeder verwendeten Bildfarbe verlieh Lohse gleiche Wichtigkeit und Bedeutung. Seiner analytischen Ader entsprechend, schuf er eine Bildwelt aus streng konzipierten Farbserien und -modulen, basierend auf mathematischen Prinzipien – puristisch und ohne emotionale künstlerische Handschrift. Seine Bilder sollten bilden und mit ästhetischen Mitteln Gleichberechtigung lehren. Erhellend im Zentrum der Ausstellung: Vitrinen mit akribisch exakten Farbstiftskizzen und Berechnungen aus Lohses aufgeräumtem Atelier sowie eine TV-Doku aus den 1980ern mit Einblicken in die Arbeitsweise und Gedankenwelt des Grafikers, der erst mit Ende 50 als Künstler international durchstartete.
Auf dem Rundgang zeigt sich: Lohse hatte schon in den 1940er Jahren seine Methode und Grundprinzipien entwickelt und viele Jahre später erst ausgeführt. Doppelte Terminierung auf Werken wie „Drei horizontale Teilungen“ (1949/72) aus der Bottroper Sammlung weisen darauf hin. Das Faszinierende: Trotz sachlicher Konzeption entstand fröhliche Kunst. Vor den Augen flimmernd und pulsierend, offenbaren Lohses Patchworks ihre sinnlichen Qualitäten. Farbenfrohe Sommerbilder aus der Serienproduktion eines nüchternen Puristen!
Richard Paul Lohse – Retrospektive | bis 11.10. | Josef Albers Museum Quadrat Bottrop | 02041 372030
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