Hans Kaiser, Gethsemane I, 1982, Mischtechnik/Leinen, 45 x 90 cm, © Sammlung Schoenbach, Nachlass Hans Kaiser
Foto: Maike Klein, Hamburg

Schrift und Bild

27. März 2014

Hans Kaiser im Kunstmuseum Bochum – RuhrKunst 04/14

Diese Wiederentdeckung ist mehr als verdient und der 100. Geburtstag ist ein guter Anlass. Hans Kaiser wurde 1914 in Bochum geboren, wo er auch aufwuchs, ehe er im Vorfeld des Zweiten Weltkrieges zunächst in die Soester Börde und dann nach Soest umzog und dort bis zu seinem Tod 1982 lebte. Während das Wilhelm-Morgner-Haus in Soest derzeit Entwürfe und Ausführungen zu den Glasfenstern vorstellt, mit denen er zu Lebzeiten den größten Erfolg hatte, widmet sich das Kunstmuseum Bochum der freien Malerei auf Leinwand und Papier. Die Ausstellung ist aber keine Retrospektive. Sie verzichtet auf die frühen abbildhaften und die geometrisch gegliederten Bilder und konzentriert sich stattdessen auf die Malereien, die ihren Ursprung im Schreiben als zeichnerische Handlung haben. Konstitutiv und stabilisierend wirkt die Schrift auf der Bildfläche, als visuelle Erscheinung und Ausgangspunkt, über den Kaiser in einem zügigen Duktus ein flimmerndes Bildgeschehen gelegt hat. Mit Kalligraphie hat dies aber nichts zu tun, auch wenn sich Kaiser mit fernöstlicher Dichtkunst beschäftigt hat. Hingegen lässt sich seine Malerei der Kunstrichtung des Informel zurechnen: In der Abstraktheit der Darstellung, im ungebundenen, geradezu lyrischen Pinselstrich und im feinen Gefühl für Farben, die oft als Tuschflecken aufgetragen sind. Kaisers Malerei zeigt ein Blühen und Wachsen und hält atmosphärische Stimmungen fest. Kaiser malt Weiß um die Farbstrukturen, die auf diese Weise weiter zu Form gelangen und nun eine große Leichtigkeit besitzen. Sie tragen meditative Qualitäten und entwickeln Bildräume, welche wie Fenster in eine andere Welt wirken. Im Bochumer Kunstmuseum belegen dies besonders die späten Bilder, die separiert für sich ausgestellt sind. Sie verzichten fast ganz auf Schrift und zeigen stattdessen monochrom blaue Bildräume, die zwischen Meer und Himmel, Unendlichkeit prophezeien. In den dichten, dunklen Farbflächen liegt noch Farbe wie Lichtreflexe oder Sterne: Alles Unruhige ist hier aus den Bildern gewichen – ein echtes Spätwerk eben.

„Hans Kaiser – Imaginäre Räume“ | bis 27.4. | Kunstmuseum Bochum | 0234 910 42 30

THOMAS HIRSCH

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