Die Vorstandsmitglieder des Filmforums
Frank Brenner

Feiern im Kreis von Freunden

17. April 2026

„Die Schwester der Braut“ im Kölner Filmforum – Foyer 04/26

Mittwoch, 15. April: Thematische Filmreihen mit wissenschaftlichen Einführungen durch Dozenten oder Journalisten haben im Filmforum am Kölner Dom eine lange Tradition. So war es naheliegend, dass man zum 20. Jubiläum des Filmspielortes den Auftakt einer neuen Filmreihe beging, die unter dem Motto „Das Fest – Feiern im Film“ steht. Bis Jahresende wird man die Gelegenheit haben, aus den unterschiedlichsten Jahrzehnten und Ländern Filme zum Thema auf der großen Leinwand zu erleben. Zu den bekannteren zählen Alfred Hitchcocks „Cocktail für eine Leiche“ und Ang Lees „Das Hochzeitsbankett“, aber man kann in der Reihe auch selten gezeigte Perlen wie Jan Němecs „Vom Fest und den Gästen“ oder Niki Lists „Malaria“ entdecken. Das 20jährige Jubiläum des Filmforums bot die Gelegenheit, den Machern im Hintergrund zu begegnen. Denn das Filmforum ist, so die Kuratorin des Museums Ludwig, Barbara Engelbach, „ein bundesweit einzigartiges Kinomodell“. Der Ort, der Bühne und Leinwand zugleich bietet, wird durch die Kooperation von acht Kölner Institutionen bespielt: dem Museum Ludwig, der Film- und Medienstiftung NRW, der ifs Internationale Filmschule Köln, der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM), der Stadt Köln, dem WDR, der Kölner Philharmonie/KölnMusik und der Filmszene (ehemals KinoAktiv). Seit 2020 liegt die organisatorische Leitung des Filmforums bei Projektkoordinator Robert Birkel.


Bürgermeisterin Derya Karadag, Foto: Frank Brenner

Anlässlich des Jubiläums eröffnete Derya Karadag, Bürgermeisterin der Stadt Köln, mit einer Ansprache den Abend. „Die Programmschwerpunkte des Filmforums sind so bunt wie Köln. Hier werden gesellschaftliche Realitäten verhandelt“, attestierte Karadag. Seit vielen Jahren bietet das Filmforum etlichen Filmfestivals ein Zuhause, deren Strahlkraft weit über Köln und NRW hinausreicht. Zu diesen zählen das Afrika Film Festival, Edimotion – das Festival für Filmschnitt und Montagekunst, das Kurzfilmfestival Köln (KFFK), das Internationale Frauen Film Fest Köln | Dortmund (IFFF) oder Visions of Iran – Das iranische Filmfestival Köln. Karadag ergänzte, dass das Filmforum unverzichtbar sei für die kulturelle Identität Kölns, da hier „Debatten angestoßen und neue Wege des Miteinanders ermöglicht“ würden. Barbara Engelbach fügte hinzu, dass hier an 220 Tagen im Jahr rund 250 Filmvorführungen stattfinden würden, was insbesondere für den Projektkoordinator Robert Birkel eine große logistische Herausforderung darstelle.


Barbara Engelbach vom Muesum Ludwig, Foto: Frank Brenner

Gestärkt aus der Corona-Zeit hervorgegangen

Birkels Einstand im November 2020 stand nicht gerade unter einem guten Stern. Am Tag nach seinem Arbeitsbeginn im Filmforum beschloss die Bundesregierung einen Teil-Lockdown in der Corona-Pandemie, der wenige Wochen später zu einem „harten Lockdown“ erweitert wurde. Anstatt seine neuen KollegInnen kennenzulernen und Filmvorführungen zu organisieren, war Birkel damit beschäftigt, Hygiene-Konzepte zu erstellen und Corona-Hilfen zu beantragen. „Aber wir sind gestärkt aus dieser Zeit hervorgegangen. 2025 war das umsatzstärkste Jahr des Filmforums seit dessen Gründung im Jahr 2006“, so Robert Birkel weiter. Um den Abend auf die Filmforum-übliche Weise für die zahlreich erschienenen Gäste abzurunden, hatte der organisatorische Leiter die Projektion des George-Cukor-Films „Holiday“ (deutscher Titel: „Die Schwester der Braut“) mit Katharine Hepburn und Cary Grant aus dem Jahr 1938 ausgewählt. Wie bei zahlreichen Filmreihen der letzten Jahre hatte man für die wissenschaftliche Einführung einmal mehr Lisa Gotto von der Universität Wien gewonnen, die ihren Vortrag „Flip-Flop rückwärts: Feiern, Feste und filmische Verrenkungen“ betitelte.


Filmforum-Projektkoordinator Robert Birkel, Foto: Frank Brenner

Doppeldeutigkeiten gegen Restriktionen

Für Gotto sind Feiern und Feste Brennpunkte, die Ausnahmezustände abbilden und, genau wie Kinovorführungen, kollektives Staunen auslösen. Cukors Film gehört zu den Screwball-Komödien, die häufig gesellschaftliche Widersprüche freilegten und damit zu einem hochpolitischen Instrument wurden. Der seinerzeit aktive Hays-Code oder Motion Picture Production Code forderte die Darstellung korrekter Lebensstandards und christlicher Werte ein, denen einfallsreiche und kluge Regisseure wie George Cukor mit Doppeldeutigkeiten begegneten, um auf diese Weise Missstände noch deutlicher sichtbar zu machen. „Die Schwester der Braut“ ist in der mondänen High Society angesiedelt, in die Cary Grant alias Johnny Case eher zufällig gerät, als er sich in Julia Seton (Doris Nolan) verliebt, ohne deren gesellschaftlichen Stand zu kennen. Lisa Gotto führte aus, dass Cukor seine filmische Welt konsequent in zwei Sphären geteilt habe, dass die Räume deswegen symbolisch stark aufgeladen seien. Zum einen gäbe es im Film die weitläufigen Repräsentationsräume, deren Bewohner klein und verloren wirkten. Zum anderen dann das Spielzimmer von Katharine Hepburn alias Linda Seton, der Schwester der Braut: Klein und vollgestopft, eine Art chaotischer Anachronismus, in dem auch die Kamera näher an die Gesichter der Protagonisten heranrücke. „Physische Positionswechsel sind ein Markenzeichen des Films“, analysierte Lisa Gotto. Insbesondere die von Cary Grant immer wieder dargebotenen Flip-Flops rückwärts seien symbolisch zu verstehen, weil sie die gesamte Weltanschauung auf den Kopf stellten. Im Spielzimmer, einem Raum, in dem andere Regeln gelten, herrsche größtmögliche Bewegungsfreiheit. Am Ende ihres Vortrags schlug Gotto den Bogen zum Filmforum: „Auch in diesem großen Spielzimmer gelten andere Regeln. Jede Vorführung ist hier anders, jedes Publikum bildet hier eine andere Gemeinschaft.“ Am 6. Mai wird die Filmreihe „Das Fest – Feiern im Film“ mit „Cocktail für eine Leiche“ fortgesetzt.


Das gut besuchte Filmforum am Jubiläumsabend, Foto: Frank Brenner
Frank Brenner

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