„Ein Plakat ist wie ein Signal“, sagt Shin Matsunaga. „Es greift ein Ereignis auf und sendet es in alle Richtungen.“ Zum Auftakt seiner Werkschau im Folkwang Museum hat der 1940 in Tokio geborene Grafikdesigner mit der monumentalen Vergrößerung einer seiner dynamischsten Plakatarbeiten ein starkes Signal gesetzt: Ein übergroßer roter Feuerball saust über den weißen Bildgrund von rechts oben nach links unten auf „JAPAN“ zu. Verbrennt, verglüht Japan – das Land, das 2001, im Jahr des Plakatentwurfs, unter einer schweren Wirtschaftkrise ächzte? Eine brenzlige Situation genial symbolisch auf den Punkt gebracht: unverkennbar eine Neudefinition der japanischen Flagge mit roter Kreisscheibe auf weißem Grund. Ein Hingucker, der exemplarisch und effektvoll bündelt, wofür Shin Matsunagas grafisches Werk steht: klare Typografie, kräftige Farben, sparsame Beschriftung, die zentrale Message in nur einem zentralen Bildmotiv voll erfasst – und zeitlos modern.
Seit Ende der 1960er Jahre gehört Shin Matsunaga zu den bedeutendsten Grafikdesignern Japans, von Beginn an offen für westliche Designsprache und am Weltmarkt orientiert. Seine Werbeagentur arbeitet für internationale Marken wie Mazda, Shiseido oder Issey Miyake, Scottie-Papiertücher oder Gitanes. Er wurde vielfach ausgezeichnet, seine Werke sind weltweit in großen Museumssammlungen vertreten. Nun auch in Essen, denn mit seiner Schenkung von 92 Grafiken aus 50 Schaffensjahren an das Deutsche Plakat Museums im Museum Folkwang gab der 79-jährige Künstler den Ausstellungsanlass.
Gezeigt wird der ganze Fundus: vom frühen Strand-Wimmelbild als Werbung für Sonnenöl von 1971 bis zum nagelneuen Ausstellungsplakat in vier Variationen für die Folkwang-Schau. Dazwischen hängen einige scherenschnittartige Schwarz-Weiß-Bilder im Plakatformat, „Freaks“ genannt, skurrile Figuren aus Alltag und Fantasie. Matsunaga hat inmitten disziplinierter Auftragstätigkeit die Lust am freien Spiel und selbstbestimmter Kreativität nie verloren. Während der Grafikdesigner tagsüber für Produkte und Events oder für Frieden und Umweltschutz wirbt, wirft der Künstler in den Abendstunden rotzfreche „Freaks“ aufs Papier. Über 1000 mittlerweile, einige ausgewählte beleben nun die Essener Präsentation.
Etwas bedauerlich ist die recht spröde, gleichförmige Hängung: zweireihig übereinander, in akkurat bemessenem Abstand über drei Ausstellungsräume, dicht an dicht. So erfasst man zwar in raschem Blick die beispielhafte grafische Handschrift Matsunagas – Plakatdesign vom Feinsten. Doch bis auf den feurigen Auftakt erhalten die einzelnen starken Motive zu wenig Freiraum, um ihre Signalkraft voll zu entfalten.
Shin Matsunaga: Made in Japan – Plakate | bis 12.1.2020 | Museum Folkwang Essen | 0201 884 50 00
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