Volltreffer. Mit den Erzählungen und Legenden vom Heiligen Hieronymus hat Siegfried Anzinger die Themen und Motive gefunden, um seinem Berufsbild einen passenden Ausdruck zu geben und figürliches Geschehen ausschweifend und doch lakonisch zu schildern. Mit 104 Zeichnungen und 18 Malereien, alle entstanden 2023 und 2024, zeigt das Duisburger Museum Küppersmühle einen umfassenden Einblick in diese Werkgruppe, die Anzingers Originalität, Spontaneität und Lässigkeit, aber auch Virtuosität verdeutlicht. Hieronymus, der zu den lateinischen Kirchenvätern gehört, hat die Bibel als asketischer Eremit in der Wüste Syriens übersetzt. Die Legende zeigt ihn mit einem zahmen Löwen – all das bietet Anzinger genug Stoff für hunderte Zeichnungen überwiegend mit Bleistift auf Papier.
Siegfried Anzinger ist eine große Nummer im Kunstbetrieb. Er hat Österreich auf der Biennale Venedig vertreten, weltweit ausgestellt und wurde mit wichtigen Kunstpreisen ausgezeichnet. Geboren 1953 in Oberösterreich, lebt er seit 1981 in Köln und hat ab 1997 als Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf gelehrt. Sein Ruhm beruht auf seiner frühen, gestisch pastosen Malerei, mit der er zu den „Jungen Wilden“ der 1980er Jahre gezählt wurde und an der documenta 1982 teilgenommen hat. „Das Ganze ist für mich eher ein Schmunzelexpressionismus, also eine gespielte Expressivität gewesen“, hat Anzinger rückblickend gesagt und schon wenige Jahre später alles Schwere, Tiefgründige durch Leichtigkeit, Schnelligkeit und eine Prise Sarkasmus ersetzt. Seit den 2000er Jahren findet er seine Motive in Bildthemen mit Tieren, der Madonna, aus den Schöpfungsgeschichten und in erotischen Darstellungen. Eine Zeitlang hat er sich Indianergeschichten zugewandt. Immer aber handelt es sich um Situationen, die ohne tiefere Erklärung auskommen, andererseits alles andere als banal sind: „Wir müssen nicht den Verkehrsunfall der Schwiegermutter darstellen“, sagt Anzinger.
Auf Hieronymus ist er schon vor über einem Jahrzehnt gekommen. Aber erst jetzt hat sich die Beschäftigung zu einer umfassenden Zeichnungsgruppe erweitert, in der er, mit stockend fließendem Strich konturierend, einzelnen Motiven nachgeht und daraus Folgen aneinander anschließender Szenen entwickelt oder das Geschehen narrativ in einem Blatt verdichtet. Von Mal zu Mal wechselt er die Perspektive und den Ausschnitt, geht näher oder nimmt Abstand. Davon unabhängig entstehen die Gemälde. Auch sie sind zeichnerisch auf weißer Fläche angelegt, und zwar mit Leinfarbe, die in den Bildgrund einzieht und zur Offenheit und Leichtigkeit beiträgt. Dann geht es noch um die Komposition, und hier ist für Anzinger der leere Raum etwa zwischen Hieronymus und dem Kreuz wichtiger als das Geschehen selbst. Aber das Weiß ist auch ein Resonanzraum für die Erinnerung, die eigene Biografie. So wirkt die Farbe auf den Leinwänden wie die Freskomalerei in den Kirchen, die er als junger Mensch in Oberösterreich bewundert hat. Und vielleicht erinnert die Einöde des Hieronymus ja ein wenig an das Alpenvorland: „Als würde ich durch die Landschaft meiner Kindheit gehen“, sagt Anzinger und lächelt.
Siegfried Anzinger – Geronimo | bis 30.3. | Museum Küppersmühle Duisburg | 0203 30 19 48 11
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