Silke Schönfeld ist die Inszenierung ihrer fünf Videoinstallationen in der Ausstellungshalle des HMKV gut geglückt. Es lohnt sich, etwa 2 Std. Besuchszeit einzuplanen, um die max. halbstündigen Filmarbeiten der vielfach ausgezeichneten Dortmunder Künstlerin (geb. 1988) auf sich wirken zu lassen. Denn die scheinbar unspektakulären und sachlich neutralen Dokus sind packend und brisant. Und zunächst gut verborgen: Im dunklen Ausstellungsraum schimmert edler Samt. Man blickt auf voluminöse Raumelemente aus deckenhoch bis auf den Boden herabwallenden Samtvorhängen in unterschiedlichen Farben, partiell angestrahlt. Jedes dieser skulpturalen Gebilde entpuppt sich als Kino. Der schwere Stoff formt Schutzräume und schirmt akustisch ab. Sitzgelegenheiten wie Holzgartenbank, Würfelhocker, Imbisssitzbank oder Kinoklappsitz greifen das jeweilige Filmthema auf.
Mit ihren (teilweise inszenierten) Dokumentationen widmet sich Silke Schönfeld gesellschaftspolitisch relevanten Fragen rund um Identität, Heimat, Familie und Gemeinschaft. Wo sie inneren Zwiespalt spüre, da gehe sie ihm nach, sagt die Künstlerin, um Missstände für sich zu klären und dann offenzulegen. Für ihre Ausstellung wählte sie Arbeiten zu Rechtsradikalismus, Strukturwandel, Macht und Missbrauch in Theatern und der eigenen Familie.
Selbst grad Mutter geworden, filmte sie (in der Ausstellung erstmals gezeigt) ihre eigene Mutter und deren Schwester strickend auf der heimischen Gartenbank, locker sinnierend über ihre Kindheit in den 1950/60ern – erzogen im Geiste eines Ratgebers aus der Nazizeit, der bis 1987 aufgelegt wurde. Für einen weiteren Dokumentarfilm mit ihrer Mutter („Ich darf sie immer alles fragen“) erhielt sie 2023 den Deutschen Kurzfilmpreis. Hier durchblättert sie mit ihrer Mutter Familienfotoalben. Und filmt sie in ihrem Garten, wie sie dank Opferentschädigungszahlung den vor über 50 Jahren gepflanzten Kirschbaum ihres Vaters fällen lässt, aber andere, lapidarere Begründungen als ihr Kindheitstrauma dafür findet. Genau das macht die Qualität der Filme aus. Nicht erklären, dozieren oder anklagen, einfach unaufgeregt zeigen und die Leute reden lassen. Die Brisanz steckt, oft unterhaltsam verpackt, zwischen den Bildern, Worten und eingeblendeten Textzeilen.
Silke Schönfeld: You Can‘t Make This Up | bis 2.2.25 | HMKV im Dortmunder U | 0231 13 73 21 55
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