Augen, überall. Selten richten sich ihre Blicke aus dem Bild heraus, schweifen ziellos in ihm umher, ohne einander zu kreuzen. Sie verstören und statt als Spiegel der Seele das Innenleben ihrer Träger zu offenbaren, lassen sie sich auf keinen Ursprung zurückführen. Erst wenn man sich diesen Blicken bewusst aussetzt, erschließen sich Details und komplexe Ebenen.
Die rumänische Künstlerin Ana Andronic, die sich kurz Buzu nennt, hat die Kunsthochschule „Nicolae Tonitza“ absolviert und für Computerspielfirmen Concept Art entworfen. Die Vernissage zu ihrer ersten Einzelausstellung in Deutschland in der Bochumer Galerie Chrom nutzt sie auch zum Dialog. Ohne Berührungsängste beantwortet sie Fragen zu Technik, Intention, Inspiration. Die Acrylmalereien auf Karton erfordern weniger Erklärung, aber Kontemplation.
Buzu über "Head structure building from a dream". Foto: Maxi Braun
Allerlei Getier, Formen und Symbole tummeln sich zunächst unübersichtlich in fluoreszierender Farbvielfalt. Die im Rahmen installierten UV-Leuchten bewirken, dass die Motive wie in Schichten auf Glas aufgetragen scheinen. Ineinander verwobene Tier- und Menschenkörper erzielen einen dreidimensionalen Effekt, vermitteln den Eindruck ständiger Bewegung. (Alp)traumhafte Szenarien entfalten sich, wie in „Head structure building from a dream“. Buzu erklärt, dass es sich um ein Motiv aus einem Traum handelt. Kleine Figuren versuchen Ordnung in ein chaotisches, mechanisches Getriebe zu bringen, defragmentieren den Verstand. Das Chaos aus Rohren, Schrauben, Gesichtern und Tentakeln erinnert an eine surrealistische Pop-Variante von Hieronymus Bosch. Vor „New years eve puzzle“ hört man das typische Gerede Kunstbeflissener, schlaue Theorien inklusive. Wie erfrischend, dass Buzu eben jenes Bild kurz zuvor folgendermaßen beschrieb: „Es war das erste Silvesterfest, dass ich nüchtern erlebt habe, während alle meine Freunde betrunken waren.“ Psychedelische Bewusstseinszustände und Momentaufnahmen aus dem Unterbewusstsein prägen die Serie. Deren Titel, „Another language“, spielt auf eine instinktive Sprache an, die dem Bewusstsein verborgen bleibt.
Mit ihrem Konzept aus Lowbrow Art und Popsurrealismus entspricht Buzu genau dem Profil, das Marcus Welt mit der Chrom-Galerie fördern und in Bochum etablieren möchte. Der Auslöser, vor zwei Jahren den 220 Quadratmeter großen Ausstellungsraum in der Ehrenfeldstraße zu eröffnen, sei schlicht Faulheit gewesen: „Ich habe mich bei meinen Fahrten nach Köln, Hamburg oder Berlin immer gefragt, warum es keine Galerie in Bochum gibt, die meine Kunst zeigt“, so Marcus Welt. Die zeitgenössische Kunst, die der Galerist in Bochum sehen wollte und nun zeigt, soll möglichst figurativ und narrativ sein, sich nicht nur Absolventen von Kunstakademien erschließen. Ob Druck, Illustration, Fotografie oder eben Malerei gezeigt werden, die Chrom-Galerie versteht sich bewusst nicht als elitär, sondern will ein Ort der Kommunikation sein. „Jeder Mensch hat Ahnung von Kunst, entscheidet intuitiv, ob ihm etwas gefällt oder nicht. Mir gefällt Kunst, die sich in den Alltag integrieren lässt“ sagt der Galerist.
Wie passend, dass sich die Künstlerin inzwischen von den Besuchern gelöst hat. Sie arbeitet an einem großen Plakat, für alle sichtbar, durch einen MP3-Player und Kopfhörer vom Rest der Welt getrennt. Die Artist is absent.
Buzu: „Another language“ | Galerie Chrom, Bochum | bis 10.01.2013 |
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