
Das Eingeständnis, dass man ein Problem hat, ist der erste Schritt. Wer eine Sucht in den Griff bekommen möchte, ist gut beraten, sich im zweiten Schritt Hilfe zu suchen. Für viele ist das allerdings gar nicht so einfach: Wohnt man im ländlichen Raum, ist der Weg zu Hilfsangeboten oft sehr lang, und ohne Führerschein oder Auto ist man abhängig von meist schlechter ÖPNV-Anbindung.
Abhilfe schafft das Projekt Meine Online-Gruppe (mog) des Blauen Kreuzes in der Evangelischen Kirche (BKE) in NRW, der in Bochum ansässigen Landesstelle der Suchthilfeorganisation. Hier werden suchterkrankte Menschen und ihre Angehörigen per Video-Konferenz unterstützt und beraten. Wie bei einer traditionellen Selbsthilfegruppe trifft man sich einmal in der Woche, um sich mit anderen Betroffenen austauschen. Es geht beispielsweise um Substanzabhängigkeiten, Essstörungen oder Glückspielsucht, es gibt eine Gruppe für alkoholsüchtige Frauen, offene Erstsprechstunden, Anlaufstellen für Angehörige. Die Sitzungen werden in der Regel ehrenamtlich betreut, einige von Menschen, die genau wissen, was es bedeutet, mit einer Sucht zu leben.
International nachgefragt
So geht es auch Edwin Michl, einer der zwei Betreuer der Gruppe für Glücksspielsüchtige. 2013 suchte er selbst Unterstützung beim BKE, um vom Automatenglücksspiel loszukommen. „Man hat mir damals die Hand gereicht, um mich aus diesem Sumpf zu ziehen. Davon versuche ich jetzt, etwas zurückzugeben“. Beim mog-Projekt ist er dabei, seit die Idee 2018 entstanden ist. Ursprünglich ging es darum, ein Angebot für Menschen in den ländlicheren Teilen Ostwestfalens zu schaffen, mittlerweile gäbe es aber großen überregionalen und sogar internationalen Zulauf. „Es kommen viele Deutsche, die im Ausland leben, Frankreich, Spanien, eine breite Palette“, sagt Michl. Für viele dieser Teilnehmer:innen sei das mog-Angebot hilfreich, weil sie die Landessprachen ihrer Wohnorte nicht sicher genug sprächen, um dort Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Emotionale Nähe
Aber für viele sei auch der geringe Aufwand attraktiv. „Man klappt einfach den Laptop auf und ist dabei“, so Michl. Seine ehrenamtliche Arbeit fände mittlerweile nahezu vollständig online statt. Gerade während der Pandemie habe er festgestellt, wie viel hier möglich sei. Dennoch hat das digitale Format nicht nur Vorteile. „Wenn jemand einen emotional besonders schwierigen Moment hat, wäre es oft hilfreich, wenn man die Person einfach mal in den Arm nehmen könnte“. Deswegen würden die Betreuer:innen mittlerweile besonders geschult, auch sprachlich emotionale Unterstützung zu bieten.
Das eigentliche Problem
Mit Blick auf Glücksspiel stellt Michl fest, dass sich in den letzten Jahren vieles verändert hat. „Die Leute, die zu uns kommen, sind hauptsächlich zwischen 25 und 30 Jahre alt, von denen ist niemand mehr automatensüchtig“. Heutzutage seien digitale Sportwetten und Online-Casinos das eigentliche Problem. Das habe eine politische Dimension: Bis zur Reform des Glücksspielstaatsvertrages 2021 war Glücksspiel im Internet illegal. „Natürlich hat es das trotzdem gegeben, aber es war viel weniger“. Im neuen Vertrag gäbe es zwar Auflagen, die Menschen vor der Sucht schützen sollen, die seien aber leicht umgehbar. „Wenn zum Beispiel begrenzt ist, wie viel man mit einem Account spielen kann, dann erstellt man sich halt fünf Accounts“. Dass hier von Seiten der Politik nachgebessert wird, sei dringend nötig, betont Michl.
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