Kann man den Traum eines anderen Menschen erleben? Nun zumindest in einem abgedrehten Anime des japanischen Kult-Regisseurs Satoshi Kon (1963-2010) geht das mit Hilfe von Maschinen und führt dort zu klaustrophobischen Katastrophen zwischen den Realitäten. Die österreichische Künstlerin Barbara Breitenfellner baute gerade zwei ihrer selbst dokumentierten Trauminhalte in die dritte Etage des noch nach frischer Farbe riechenden Dortmunder U.
In den Räumen des Hartware Medienkunst Vereins (HKMV) steht nun eine installative Assemblage, deren artifizielle Deskription bereits an der Beliebigkeit ihrer Objekte scheitert. Haptisch sind es in erster Linie ein Luxusautowrack auf Schräge mit Teppichboden, ein künstlicher Gorilla auf einer Werkbank, eine Wand mit Glühbirnen, ein paar Ölschinken. „Man kann Träume nicht eins zu eins abbilden“, sagt die Künstlerin. Aber kann man das überhaupt? Die Surrealisten haben es vorgemacht, haben ihre Visionen und kryptischen Landschaften mit Pinsel und Farbe auf Leinwand, Papier und Holz verewigt. Und so hängen sie da auch im Museum. Unerklärliche Botschaften aus dem Bonbonland des Lysergsäurediethylamid (LSD). Die Künstlerin arbeitet nach eigener Aussage lieber gleich mit vorgefundenem Material. Werke, von ein paar Collagen abgesehen, gibt es in der Ausstellung „Traum einer Ausstellung“ also nicht zu sehen. Die zwei RaumInstallationen sind die eigentliche Arbeit und das künstlerisch-theoretische Modell vom Fluch der Bilder, das damit an den Mann, die Frau, den Cyborg gebracht werden will.
Zu jedem Objekt dieser „Träume über Kunst“ gibt es für mich als Betrachter eine visuelle Zwangsassoziation. Traum 1. Der Porsche von James Dean steht auf einem Teppich, der nicht nur zufällig an David Lynchs „Twin Peaks“ erinnern soll. Die Ölschinken darum herum in Baselitzscher Hängetradition. Traum 2. Wir sehen Beuys (gemeint ist hier die Performance „I love America and America likes me“ von 1974), sehen den Gorilla auf der Werkbank, denken an den Koyoten, den Käfig, aber auch an die großartigen Guerilla-Girls, die Künstlerinnengruppe die in den 1980ern New York rockte. Das Unterbewusstsein von Barbara Breitenfellner annektiert also Künstlerpositionen als kunsthistorische Haftnotiz, die dann als Buchstaben im Traumtagebuch wieder zu einer, vielleicht willkürlichen, neuen Komposition zusammengebacken werden. Das ganze wird von einer computeranimierten Leuchtwand aus Glühbirnen, wie man sie vom Zirkus kennt, angestrahlt und tosender Beifall brandet aus Lautsprechern hinter dem mit Boxhandschuhen und Beuysweste ausstaffierten Menschenaffen. Beuys bleibt eben Sieger, immer.
Als Gerüst wäre dieses, nennen wir es einmal Laboratorium, eine interessante Spielwiese, seine reine Existenz bedarf leider einer Menge verbalen Interpretations-Inputs, von Medienkritik bis zur Verurteilung der Glamourwelt. Ich bleibe lieber bei Satoshi Kon und seinen Traumterroristen.
Barbara Breitenfellner – „Traum einer Ausstellung“
HMKV im Dortmunder U I bis 5.6.
0231 82 31 06
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