Verblasste Farben

25. August 2016

Katharina Fritsch in Essen – Ruhrkunst 09/16

An der Ausstellung mit Katharina Fritsch im Museum Folkwang kommt man über kurz oder lang nicht vorbei. Und auch wenn es dort und in der Villa Hügel als temporärer Außenstelle nicht wirklich Neues von der Düsseldorfer Akademieprofessorin zu sehen gibt, so ist diese Ausstellung doch originell und anregend, schon indem ihre Siebdrucke mit den Ansichten von Essen wie für diese Orte geschaffen scheinen. Katharina Fritsch ist eine der international wichtigen Bildhauerinnen der Gegenwart. Ihr Verdienst ist es, seit den 90er Jahren die figurative Skulptur mit brisanten gesellschaftlichen Themen zum Leben zum erwecken. Das klingt vielleicht paradox, weil ihre makellosen Skulpturen, gegossen aus Kunststoff und monochrom eingefärbt, wie eingefroren wirken. Sie treten als Ikonen auf, sind es auch, etwa eine überlebensgroße gelbe Madonna oder eine monumentale, aufgerichtete, tiefschwarze Maus auf einem weißen Bett mit einer Figur unter der Bettdecke.

Gerade weil ihre Skulpturen punktgenau stilisiert sind, berühren sie emotional. Häufig berichten sie von alltäglichen Erlebnissen, verfügen dazu über eine Prise Humor und thematisieren ganz verschiedene Anliegen. Der Umgang mit unserer (ebenso privaten wie kollektiven) Erinnerung ist bis heute eine Art Leitmotiv von Katharina Fritsch. Es findet sich auch in ihrer Siebdruck-Serie von 2005-2007, die nun, begleitet von einigen Skulpturen, in Essen ausgestellt sind. Überwiegend liegen ihnen Postkarten der 70er und 80er Jahre etwa vom Baldeneysee und dem Grugapark in Essen zugrunde. Durch das Abfotografieren der Postkarten, die Vergrößerung als Siebdruck, das Moiré und die lichten Farben, die als Schicht vor dem Foto zu schweben scheinen, entsteht eine Fremdartigkeit und Stille, die noch mit der Impression verschwindender Erinnerungen einhergeht. Es ist eine produktive Herausforderung an das Sehen! Und zugleich geht es um die Domestizierung der Naturräume, die Gestaltung der Umwelt und die Veränderung der Stadt mit der Frage, wie es der Wohlstandsgesellschaft durch den Strukturwandel im Ruhrgebiet ergangen ist.

Katharina Fritsch | bis 30.10. | Museum Folkwang und Villa Hügel in Essen | 0201 884 54 44

THOMAS HIRSCH

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