Wo hinter den Schaufenstern des Campusmuseums normalerweise und seit jeher Günther Ueckers „Sandmühle“ gemächlich ihre Kreise zieht, steht zurzeit eine Sitzecke mit Couchtisch und Malstiften. Ausstellungsbesucher können sich hier mit der Kunstsammlung der Ruhr-Universität auseinandersetzen. Gegründet (und zeitlebens bis 1988 erweitert) hat die Kollektion vor genau 50 Jahren der legendäre Kunsthistoriker und Universitätsprofessor Max Imdahl, der in diesem Jahr 100 geworden wäre. Zum Doppeljubiläum wirft sein einstiges Institut nun einen frischen Blick auf die Anfänge in den 1970ern, als es neu und völlig innovativ war, Kunstgeschichtsstudierende mit zeitgenössischen Werken zu konfrontieren. Originalkunst sehen und verstehen lernen, das war das Ziel und ist es heute noch. Eine Lehrsammlung entstand, gratis zugänglich für alle: Die RUB wurde dank Imdahls Initiative einzigartig. Den Grundstock bildete der hochkarätige Nachlass eines befreundeten Sammlers und eine spendable Stiftung. Das „Who‘s who“ der explizit ungegenständlichen, gestischen, konstruktiven, konkreten Nachkriegskunst ist hier vertreten, Malerei von Albers, Uecker, Fruhtrunk, Morellet, Fontana, Rainer, Twombly, Stella, dazu Skulpturen u. a. von Giacometti, Serra, Caro, Kricke, Rickey. Künstler wie Beuys, Graubner oder Schumacher steuerten Handzeichnungen bei.
Die aktuelle Ausstellung nimmt diese Imdahl-Ära unter die Lupe und präsentiert Namhaftes spannungsvoll wie einst im dialogischen Zusammenspiel mit der Antikensammlung, angereichert mit Dokumenten aus dem Imdahl-Archiv – darunter seine kryptisch collagierten Vorlesungsspickzettel, kurze Filmsequenzen aus TV-Talkshows und Workshops, Werk- und Preislisten seiner Ankäufe aus Galerien, Faksimiles und Publikationen zum Stöbern und Durchblättern. Die Recherche gehörte zum Lehrplan: Kunstgeschichtsseminare erforschten die Gründungszeit und kommentieren auf Texttafeln. Auch wer Imdahl nicht live erleben konnte, gewinnt einen Eindruck von seiner leidenschaftlichen Kunstvermittlung. Wissenschaftliche Distanz schimmert aber durch. Man dokumentiert, würdigt, aber glorifiziert nicht, sondern benennt auch Leerstellen. Jede Generation stellt andere Fragen an die Kunst, ordnet neu ein und wechselt die Perspektive. Was bleibt, ist das Ziel, die Sammlung weiter zu aktualisieren.
Vergangene Gegenwart. Max Imdahl und die Sammlung moderne und zeitgenössische Kunst | bis 11.1.2026 | Campusmuseum der RUB | 0234 322 67 82
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