Robert McGinnis, Diamantenfieber/Diamonds are for ever,1971
Premiere, Großbritanien, Sammlung Thomas Nixdorf, © 1971 Danjaq LLC und United Artists Corporation

Von den prüden Bond-Ages

29. November 2012

James mit Walther PPK im Deutschen Plakat Museum – Kunstwandel 12/12

Gerührt, geschüttelt, gemalt, gezeichnet und auf Zelluloid gebannt. Das Deutsche Plakat Museum im Museum Folkwang zeigt zum 50jährigen James Bond-Filmjubiläum Filmplakate und Fotografien aus 50 Jahren. In acht thematischen Kapiteln wird erzählt, wie Bond zum populärsten Geheimagenten der Welt wurde‒und das wirklich rund um den ganzen Planeten. Die Ausstellung ist eher ein Kriminaltango, mit Sechs-Sitze-Kino, Video- und Diashows, die alle 24 Filme thematisieren, auch das Plakat vom gerade erst in den deutschen Kinos angelaufenen „Skyfall“ (2012). Vom Umfang dürfte mancher Besucher überrascht sein. Immer wenn man denkt, das war es, eröffnet sich noch ein weiterer Raum voller Überraschungen. Hier zeigt das Deutsche Plakat Museum sein Metier in großartiger Aufmachung, Unbekanntes und Variationen inbegriffen. Wer kennt schon „El Satánico Dr. No“, den ersten Bond von 1962 mit krudem argentinischen Plakat?

Dass „El Sympático“ James Bond selbst nicht so ganz ohne ist, zeigt der Raum über das Kapitel Gewalt mit zahlreichen Fotografien aus der umfangreichen Privatsammlung Robert Ganz in München. Hier schießt und sticht sich 007 durch seine Gegner, noch immer gilt Sean Connery als militanter und brutaler als der eher komödiantischere Roger Moore. In der jüngsten Vergangenheit mit Daniel Craig ist das Hardcore-Momentum wieder verstärkt zurückgekehrt, der Zeitgeist fordert das wohl vom Gentleman-Agenten, der beileibe kein Frauenverächter war und ist, diese aber schon immer eher als Mittel zum Zweck der Aufklärungsarbeit (Geheimdienst natürlich) gesehen hat. Einzige Ausnahme: George Lazenby bei Diana Rigg im sechsten Bond „Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969). Hier wird nicht nur geheiratet, sondern auch im Schottenrock kniefrei der Queen gedient. Kein Wunder, dass nach nur einem Auftritt von Lazenby Sean Connery wieder ran musste.

Wandeln wir weiter durch die Hallen der gehobenen Kriminalunterhaltung. Hier ist man auch immer vom 007-Jingle begleitet, man hört altbekannte Filmmusik, hier und da Fetzen von Original-Dialogen. Man erkennt den Wandel der Filme auch an den Plakaten. Vom kleinteiligen Gefriemel der 1960er und 70er hin zu den klaren Großformaten, wo man bei Bösewicht Zao (Rick Yune in „Die Another Day“, 2002) sogar die farbigen Pinselstriche auf der Glatze erkennen kann. Auch das Merchandising wurde im Laufe der Jahre verändert. Bond ist und war immer auch ein Premium-Werbeträger mit geschicktem Product Placement im Film, denken wir an Seico oder Coca-Cola. Selbst der gute alte Aston Martin musste irgendwann in der Neuzeit dem schnöden BMW weichen. Früher, ja früher, da warb sogar die Kaiser’s Kaffee-Kette auf schlecht gemalten Plakaten (in den 1970ern) mit dem Filmhelden. Zum Schluss noch das lustige Kapitel mit den Ablegern und Parodien. Da finden sich in den 1960ern bereits Woody Allen (Casino Royal, 1967) und Dean Martin (Die Mörder stehen Schlange, 1966). Es folgten Leslie Nielsen mit seiner Agent 00-Reihe (1996), Austin Powers mit „Spion in geheimer Missionarsstellung“ (1999) und auch die Muppet-Show mit „006.5‒My name is Bert ... just Bert“ (1998).

Bond, ... James Bond | bis 13.1. | Deutsches Plakat Museum im Museum Folkwang, Essen | www.museum-folkwang.de

PETER ORTMANN

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