Man kann Filme heute überall sehen. Auf dem Sofa, im Bett, auf dem Laptop oder in der S-Bahn. Aber erleben wir so tatsächlich Filme? Mit den digitalen Prothesen werden Filme Teil eines endlosen Stroms, in dem nichts lange Bestand hat. Und alles jederzeit ersetzt werden kann, wenn wir in einer Dauerschleife aus Weiterklicken, Wegwischen und Abbrechen festhängen. Im Kino kippt diese Logik. Hier gibt es keine Alternative im selben Moment, kein paralleles Weiterklicken, kein Auflösen der Aufmerksamkeit in andere Reize. Stattdessen entsteht eine zielgerichtete Aufmerksamkeit. Aber Kino ändert nicht nur den Modus des Sehens, es schafft auch Räume für Diskurs und Austausch. Ein vielleicht altmodischer Gedanke, aber einer, der in unseren polarisierten Echokammern wichtiger ist denn je. Kinoarbeit führt nicht nur einfach vor, Kinoarbeit kuratiert, ordnet ein und setzt auf Rahmung und Gespräch.
Wie das konkret aussehen kann, zeigt „Future Science“, der am 30. April im Dortmunder Sweet Sixteen Premiere feiert. Der Dokumentarfilm von Marc Pierschel widmet sich der Frage, warum Tierversuche in der biomedizinischen Forschung trotz vorhandener Alternativen noch immer verbreitet sind. Er begleitet Wissenschaftler:innen, die mit Technologien wie Multi-Organ-Chips, 3D-Bioprinting und Künstlicher Intelligenz an neuen Methoden arbeiten. Gleichzeitig macht er sichtbar, wie ethische Fragen, wissenschaftliche Routinen und wirtschaftliche Interessen aufeinandertreffen. Im Anschluss findet ein Filmgespräch mit dem Regisseur und Protagonist:innen statt.
Wie lässt sich wissenschaftliches Wissen vermitteln, wenn Teile der Gesellschaft sich zunehmend davon entfernen und gefühlte Wahrnehmung an die Stelle überprüfbarer Fakten tritt? Die Doku „Das Gewicht der Welt“, die am 8. Mai in der Essener Lichtburg Premiere feiert, nähert sich dieser Frage über die Perspektiven von drei Forschenden, deren Arbeit sich zunehmend mit den realen Auswirkungen des Klimawandels konfrontiert sieht: einer Glaziologin, einem physikalischen Chemiker und einer Molekularbiologin. Sie erleben, wie ihre Forschung an Grenzen stößt, nicht nur naturwissenschaftlich, sondern auch gesellschaftlich. Aus dieser Erfahrung heraus entsteht ein Moment der Entscheidung. Statt sich auf die Forschung zu beschränken, begreifen sie ihr Wissen als Verpflichtung und tragen es in die Öffentlichkeit. Der Film begleitet diesen Schritt und zeigt, wie aus wissenschaftlicher Arbeit eine Form von Verantwortung wird, die in Aktivismus mündet.
Über den Film hinaus öffnet sich damit auch eine politische und gesellschaftliche Dimension. Während steigende Energiepreise und geopolitische Abhängigkeiten die Fragilität fossiler Systeme gerade erneut offenlegen, wird deutlich, dass es weniger am Wissen mangelt als am Umgang damit. „Das Gewicht der Welt“ verlagert diese Frage in den Kinoraum und macht sie dort verhandelbar. Nicht als abstraktes oder abgehobenes Problem, wie der Klimadiskurs oftmals diffamiert wird, sondern als konkrete Erfahrung. Aus der Anerkennung dieser Fakten entsteht eine Frage nach Konsequenz und Verantwortung, die im anschließenden Gespräch mit Regisseur und Protagonist:innen weitergeführt wird.
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