Umbruchzeiten inspirierten zu allen Zeiten Kreative dazu, ihr Leben umzukrempeln und mit Gleichgesinnten alternative Formen des Zusammenlebens zu testen. Das Folkwang Museum stellt einige Gemeinschaftsprojekte vor, die künstlerischen Ausdruck fanden. All diese Versuche sind aus verschiedenen Gründen nicht wirklich geglückt. Das betrifft auch das Ausstellungsprojekt „Wir sind Zukunft“ selbst.
Ferdinand Hodlers „Frühling“ von 1901 symbolisiert zum Auftakt verzückte Aufbruchsstimmung. Es hängt vor einer kreisrunden Koje, in der sich Maler zur Jahrhundertwende mit Paradies-Visionen aus den Härten des Industriezeitalters wegträumten und Kommunen mit spirituellem Anstrich gründeten. Die Lebensreformbewegung z. B. steht für ein zwangloses, gleichrangiges Dasein in und mit der Natur. Theoretischen Background liefern digitale Infos auf kleinen Monitoren. Die Architektur-Utopien von Bruno Taut und Wenzel Hablik (nach 1918), ihre Tempel aus Glas, Stahl und kristallinen Formen sind ähnlich erklärungsbedürftig wie die Aktivitäten des Hippie-Architektenteams Superstudio oder Anna Halprins „Planetary Dance“. Allein: Es fehlt der „Spirit“. Die sachliche Präsentation vermittelt weder lebendiges Gemeinschaftsfeeling noch die Lust auf mehr. Eine Entdeckung ist einzig das „New Babylon“-Projekt des Cobra-Malers Constant, der als visionärer Architekt vorgestellt wird. Zum Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg entwarf er ein weltumspannendes Architekturnetz auf Stelzen für eine dynamische, nomadische Menschheit. Doch die Welt war nicht reif dafür.
Dass in puncto Weltgemeinschaft noch Luft nach oben ist, spiegelt die „Lücke“. Die für Afrofuturismus reservierte Rundkoje bleibt kunstfrei und leer bis auf einen Tisch voller eilig zusammengetragener englischer Kataloge zum Thema – und einem Wandtext, der erläutert, warum der zuständige Gastkurator kurz vor der Eröffnung ausgeladen wurde und daher alle Exponate zu afrikanischen Zukunftsvisionen zurückzog. Die Entscheidung ist konsequent, doch visuell unbefriedigend. Das können auch die vier aktuellen Werke, die die globale Gemeinschaft von Mensch und Natur beschwören, nicht auffangen. Zumal Yussef Agbo-Olas klingender Tempel für gefährdete Pfeilgiftfrösche eher der individuellen meditativen Versenkung dient. Ein Wir bleibt wohl Zukunftsmusik.
Wir ist Zukunft.Visionen neuer Gemeinschaften | bis 17.3. | Museum Folkwang, Essen | 0201 8845 000
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