Jaap van den Ende, Centrum, overzijde, informele systemen, 2010; Sansko Collectie; © 2026 Jaap van den Ende
Foto: Tom Haarsen

Welt zeigen

29. Oktober 2026

Malerei im MuT Bochum – Ruhrkunst 11/26

Die gute alte Malerei bleibt auch in KI-Zeiten ein probates künstlerisches Mittel, die Welt zu beleuchten. Aktuell stellt die Situation Kunst drei zeitgenössische Positionen nebeneinander, die menschenleere (Stadt-)Landschaften in Szene zu setzen. Was sie eint, ist ihre thematische Verbindung zur Sammlung des Museums unter Tage: Einzelwerke von Jaap van den Ende, Caroline von Grone und Ralph Fleck hingen bereits in der Dauerausstellung nebenan und wurden nun im Wechselausstellungstrakt ergänzt um 50 Bilder der drei aus drei Jahrzehnten. Es ist eine Einladung zum vergleichenden Sehen, doch erst in zweiter Linie. Direkte Gegenüberstellungen gibt es nicht; die ästhetischen Konzepte können sich in einzelnen Räumen zunächst selbst entfalten.

Den Anfang setzen Jaap van den Endes Bildtableaus, patchworkartig zusammengesetzt aus akademisch gemalten Leinwänden. Jedes Tableau zeigt 2–3 naturgetreue Panoramen, von Delft z. B., in Kombination mit Bildern, die auf schnellen Blick ein ähnlich realistisches Sujet suggerieren, sich jedoch als Collage geometrischer Formen erweisen. Helle Querstreifen liest man als Schiffe am Kai, Gittermuster als Hausfronten, rote Dreiecke als Dächer – ein listiges Spiel mit Wirklichkeiten und malerischen Möglichkeiten.

Caroline von Grone im nächsten Raum setzt emotionale Akzente. Die Künstlerin malt vorzugsweise Unorte aus ihrem Umfeld, die sie langfristig beschäftigen: Zäune vor Vegetation, Unterführungen, Spiegelungen im Teich. Über Jahre begleitet ihre Serie „Himmelsleiter“ eine 50er-Jahre-Siedlung bis zum Abriss. Bei genauer Betrachtung offenbaren die scheinbar banalen Motive Brüche, Lichtstimmungen, die nicht stimmen können, subtile Verunsicherungen.

Unspektakulären Orten widmet sich auch (der kürzlich verstorbene) Ralph Fleck. Aus Stadt- und Bergansichten schuf er pastose Allover voller rhythmischer, repetitiver Elemente. Plattenbauten von oben, Balkonfassaden frontal, Müllberge oder die Alpen – kein Detail wird gewertet oder sticht hervor. Es ist Malerei pur zwischen Abbild und Abstraktion, was Fleck mit van den Endes raffiniertem Bildkonzept verbindet. Doch ihr Einsatz von Farbe ist grundverschieden. Vergleichend vermittelt die konzentrierte Präsentation ganz unaufgeregt Erkenntnisse darüber, was Malerei mit Wirklichkeit anstellen kann.

Zerfallende Wirklichkeiten – Jaap van den Ende, Ralph Fleck, Caroline von Grone | bis 17.1.2027 | Situation Kunst/Museum unter Tage | 0234 3228523

Claudia Heinrich

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