Zustand des Träumens

29. November 2018

Leiko Ikemura in Gladbeck – Ruhrkunst 12/18

Es lohnt sich in der Neuen Galerie Gladbeck, genau zu schauen. In den großen, wie leichthin schwebenden Malereien der Serie „Female Genesis“ von Leiko Ikemura sind landschaftliche Schilderungen im Bildgrund verwoben. Die ausfasernden Konturen der Berge erinnern an fernöstliche Tuschmalerei, die Wasserflächen und die Bäumen sowieso. Und dann entdeckt man im gleichen erdigen Ton Gesichter, ganze Figuren, die aus den Strukturen der Natur herauswachsen…

Diese neuen, seit einigen Jahren entstehenden Gemälde wirken anders als die Bilder, mit denen Leiko Ikemura vor zwei Jahrzehnten berühmt wurde: Kennzeichnend für sie ist ein leerer, weiter Bildraum, in dem teils nur der Horizont eingezeichnet ist, der Wasser oder Erde und Himmel trennt und in dem sich ein einzelnes Mädchen befindet: stehend oder kopfüber fallend oder liegend im Zustand des Schlafens. Schon hier ist die Farbe unscharf, wie verhuscht, als befände sich alles in der reinen Vorstellung. Hier wie bei den Bildern, die nun in Gladbeck zu sehen sind, ließe sich an kosmische Naturräume denken.

Das aktuelle Thema der Metamorphose aber weist bis zu den Malereien der 1980er Jahre zurück, als Ikemura zunächst von Zürich und ab 1985 von Köln aus bekannt wurde. Zu sehen waren Wesen zwischen Tier und Mensch: ein Leitmotiv, das sie bis heute in den Keramiken – am Beispiel der Katze – fortgesetzt hat. Die ganz frischen Keramiken im Lesezimmer der Neuen Galerie gehen einen Schritt weiter: Wie bei „Female Genesis“ leiten Berglandschaften in Köpfe und Köpfe in Bäume über. Die Räume der Neuen Galerie mit ihren genialen Lichtführungen sind dafür ideal: Well done!

Leiko Ikemura | bis 11.1. | Neue Galerie Gladbeck | 02043 319 83 71

Thomas Hirsch

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