Immer wieder war das Kino in den letzten hundert Jahren Veränderungen unterworfen. Angefangen auf Jahrmärkten, weiter über große Lichtspielhäuser, Bahnhofskinos, Schachtelkinos bis hin zum jetzigen Nebeneinander von Multiplex und Programmkino legten stumme und laute, lange und kurze, monochrome und kakelbunte, epochale und kammerspielartige, zwei-, drei- und vierdimensionale Filme eine wechselvolle Reise zurück. Kinos schlossen, Kinos eröffneten, Kinos orientierten sich neu. Letzteres in der Befürchtung, dass das Damoklesschwert des Kinosterbens endgültig herunter krachen würde. Statt der Wochenschau steht heute die Live-Übertragung aus der Met auf dem Programm. Statt sich im Bahnhofskino auf die Filme in Dauerschleife zu verlassen, können sich die Zuschauer Kino on Demand bestellen, ungebunden von Zeit und Raum.
Und auch wenn nun immer wieder kleine Veränderungen im hiesigen Kino anstehen, die Zeit der großen Umbrüche ist nicht mehr zu erwarten. Vielmehr durchleben wir freudig bestimmte Episoden im Kinojahr, die sich etabliert haben. Kurz vor Weihnachten locken uns Megablockbuster in die großen Kinos und heimelige Feuerzangenbowle-Abende in die kleinen Kinos. Im Frühjahr warten wir auf die sicheren und überraschenden Oscar-Kandidaten. Dem Sommerloch trotzen wir mit Kino unterm Sternenhimmel in versteckten Hinterhöfen oder vor imposanten Industriekulissen. Zwischendurch lassen wir uns in das weite Universum der Franchise-Filme reißen und uns von den feinen Geheimtipps verblüffen. Und das ist auch absolut in Ordnung. Gut ist schließlich, was gefällt.
Doch gibt es ihn, den großen Umbruch. Circa 7000 Kilometer von uns entfernt, im Reich der Mitte. Von dem Zuschaueranstieg dort, wagt die Kinobranche hier nicht einmal zu träumen. Wurden 2006 in China lediglich 330 Millionen Dollar in einem gesamten Jahr eingespielt, brachte „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ in nur einer Woche etwa 550 Millionen in einer einzigen Woche ein, der US-Flop „Warcraft“ immerhin 150 Millionen in den ersten fünf Tagen. Die Prognose lautet: Spätestens 2018 ist China das Kinoland Nummer 1 vor den USA. Die Nachfrage verändert wie immer auch das Angebot. Mit der Lockerung der Bestimmung für Filme aus dem Ausland ist Hollywood prompt auf den chinesischen Markt eingegangen. Kung Fu Panda 3 zum Beispiel wurde in einer Version passend zur chinesischen Synchronisation produziert. Besonders aber die chinesischen Filmschaffenden tragen zur Veränderung bei. Mit einer Vielfalt, die erstaunlich ist für ein Land, dessen Filmlandschaft bis zum Ende der Kulturrevolution nahezu austrocknete. Neben Slapstick, Martial Arts und historisch angehauchten Streifen, die zwar kommerzielle Erfolge ohne Ende feiern, aber weiterhin im politisch gewollten Spektrum verbleiben, gesellen sich kritische Töne, die sich der aktuellen Lebenswelt annehmen und in Berlin, Cannes und Venedig positive Kritiken und Auszeichnungen einheimsen. Das chinesische Kino ist in vielfacher Hinsicht im Aufbruch und es bleibt zu hoffen, dass die „westliche Kinowelt“ nicht nur von den immensen Einnahmen profitiert, sondern auch nachhaltig erweitert wird von neuen Perspektiven der chinesischen Filmschaffenden. Der Umbruch im dortigen Kino bedeutet immerhin eine kleine Veränderung im hiesigen Kino.
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