Inmitten des Pops und des Kommerz merkt man es manchmal kaum, doch die Kinomaschine filtert Jahr um Jahr unsere Geschichte aufs Neue. Manchmal ernst, manchmal komisch, manchmal banal – doch immer in all ihren bunten Facetten. Historische Figuren werden zu Filmfiguren, wie zuletzt erst mit den wunderbaren Suffragetten unter Beweis gestellt wurde. Oder nehmen wir das Drama „Der junge Messias“, in dem die Traumfabrik im Mai niemand Geringeres als Jesus Christus wieder auferstehen lässt. Und auch die Popgeschichte wird durchwühlt und umgepflügt. Ikonen wie Marilyn Monroe, James Dean, oder die Kunstmäzenin Peggy Guggenheim...sie werden als Leinwandhelden immer wieder aufs Neue zum Leben erweckt. Und die Kinomaschine zitiert sich, die Popkultur, die Filmgeschichte – unsere Geschichte. So wird der Metropolis-Regisseur selber zur Filmfigur, während er inmitten der Wirren der beginnenden 1930er Jahre seinen ersten Tonfilm „M – Eine Stadt sucht einen Mörder“ inszeniert. Auch einen Alfred Hitchcock lässt Hollywood zum Protagonisten werden, nicht wie damals durch einen Cameo-Auftritt, sondern in „Hitchcock“ als klassische Filmfigur, die auf eine Reise geht. Die Reise heißt der Weg zu „Psycho“. Der Rest ist Filmgeschichte.
Die Klassiker der Filmgeschichte sind und waren aber auch immer eng mit der Literaturgeschichte verbunden. Vielleicht kann man die Marvel-Comics auch schon dazuzählen. Mit ihren klassischen und zeitgenössischen filmischen Interpretationen zitieren sie die Popkultur und sind aus dem Actionblockbustermetier in diesem Jahrzehnt kaum mehr wegzudenken. So erscheinen auch im Mai ein neuer „Captain America“ und ein neuer „X-Men“. Und sie müssen abermals die Welt retten. Dabei gilt nur zu hoffen, dass „Captain America“ weiter von der Traumfabrik gemimt wird und nicht bald auch noch von einem Immobilienmagnaten namens Donald. Doch das ist ein ganz anderes Thema. Denn in diesem Monat wird auch wieder klassischste Literatur- und Filmgeschichte adaptiert. Mary Shelleys Schauerstück „Frankenstein“ erreicht ein weiteres, unzähliges Mal die große Kinoleinwand. Mit der Erschaffung eines Kunstmenschen hat Shelleys Roman im 19. Jahrhundert die Gemüter im puritanischen England erregt und eine Vorlage geschaffen, an der sich die Kinomaschine seit über einem Jahrhundert abarbeitet. Doch wirklich erregt und polarisiert hat der Stoff wahrscheinlich wohl vor allem durch die Darstellung des unverstandenen Leinwandmonsters Boris Karloff im Jahr 1931. Das war Filmgeschichte. Nun kommt „Frankenstein“ im neuen Gewand wieder und erzählt uns die Geschichte aus der Sicht des buckligen Assistenten Igor, gespielt von Daniel Radcliffe, der nach „Harry Potter“ nun schon das zweite Mal auf den Pfaden des klassischen Horrorfilms wandelt.
Aber ist das denn alles bloß Kommerz, wenn Hollywood die Kuh immer wieder aufs Neue melkt? Vielleicht. Doch vielleicht kann das auch erst aus der Retrospektive beurteilt werden. Denn auch Remakes, Adaptionen und Zitationen können Neues erschaffen. Die Kunst und die Popkultur sind voll davon. Und so lange Hollywood mit selbstironischen Beiträgen wie „Hail, Caesar!“ aus alten Zeiten satirisch Neues schafft, mache ich mir keine Sorgen. Ich für meinen Teil bin froh über jedwede Zitation unserer bunten Popkultur sowie damit auch unserer Geschichte und freue mich auf alte Bekannte im kinematographischen Theater meiner Wahl.
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