Als eines Tages am Strand der Insel Titiwu ein Eisberg aus der Eiszeit mit einem großen Ei angeschwemmt wird, ist dies ein großer Tag für den Naturkundeprofessor Habakuk Tibatong. Der lebt dort mit seinen Tieren und hat ihnen das Sprechen beigebracht und sucht einen Beweis für seine Theorie von einem Bindeglied zwischen Dinosauriern und Säugetieren, dem sogenannten Urmel.
Irgendwo im Land der Zwiebeln träumt sich ein Mann durchs Leben, eine Handvoll Geister begleiten ihn dabei, rauben seine Persönlichkeit, spielen seine Spiele, leben seine Träume, treiben ihn durch die Welt. Intendant Kay Voges inszeniert in Dortmund Ibsens „Peer Gynt“, losgelöst von skandinavischem Mythos, eingebettet in einen New Yorker Soundteppich, in einem Wasserbecken für Schwimmanfänger, das einem Waschzuber für Seelen gleicht.
Alles beginnt auf einem Jahrmarkt: In einer Freakshow entdeckt der Londoner Arzt Dr. Treves den jungen John Merrick, der seinen Lebensunterhalt als sogenannter „Elefantenmensch“ verdient – begafft von Jung und Alt als unfassbare Laune der Natur. Dr. Treves‘ wissenschaftliches Interesse ist geweckt. Doch Begaffter und Begaffende – wer ist das Monster?
Er gilt als das Ruhrgebiets-Original schlechthin, der 1923 in Koblenz geborene und 1994 in Herne gestorbene Jürgen von Manger, auch bekannt als Adolf Tegtmeier. Mit seinem Käppi, einem Hamburger Elbsegler, auf dem Kopf, der charakteristischen Mimik, die einer einseitigen Gesichtslähmung geschuldet war und seinem breit gezogenen Ruhrpott-Slang gehört er nach wie vor zu den Galionsfiguren der Region, einer, der sich „Mensch bleiben“ auf die Fahne geschrieben hatte.
Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt. Denkste. Auch wenn Sibylle Broll-Pape ihren „Othello“ quasi unter dieses Motto stellte, löste die Inszenierung diese Anfangsbehauptung nicht ein.
Um ein Haar wäre nichts daraus geworden – aus dem ganzen Kult um das schöne Monster Rocky, den außerirdischen Transvestiten Frank’n‘Furter und sein schrilles Horrorschloss. Denn als Richard O‘Brian und Jim Sharman 1975 ihr Musical „The Rocky Horror Show“ nach knapp zwei erfolgreichen Jahren auf der Bühne ins Kino brachten, da wollte es dort kaum jemand sehen.
Die Welt, in der Othello seinen Platz behaupten muss, ist klein, sie ist eine kleine weiße Kiste, in der sich Ungeheuerliches abspielt, in der die Mächtigen Venedigs genauso wie die Liebenden und Intriganten ihr Dasein fristen müssen. Manchmal brechen sie daraus hervor, doch dann scheint die Welt aus den Fugen zu geraten.
Der Theaterherbst lebt auch von Absonderlichkeiten: Da rechtfertigen sich scheinbare Monster, philosophieren Puppen über Gott und die Welt, und drei Freunde streiten über Kunst ohne Inhalt und ihren monetären Wert. In Dortmund beginnt alles auf einem Jahrmarkt.
Eigentlich gab es den Urknall der Moderne gar nicht. Bei der Inszenierung der Uraufführung von „1913“ im Oberhausener Theater konnte nur eine Salve mittelgroßer Erschütterungen der damaligen kulturellen und gesellschaftlichen Lebensumstände bewiesen werden.
Was ist das für eine Gesellschaft, in der die Ermöglichung, der Vollzug oder die Verhinderung von Seitensprüngen das ganze Konfliktpotential ausmachen? Ja, in der die Triebdurchbrüche gar nichts mehr mit Gier oder Gefühl zu tun haben, sondern der Betrug alltäglich Praxis ist?
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