„Visitor Q“ ist der kontroverse Film des japani- schen Regisseurs Takashi Miike, in dem den Zuschauern/Voyeuren eine Familie am Abgrund präsentiert wird: inzestuöse Beziehungen, Ne- krophilie, Gewalt, Drogen, Prostitution und ein Vater, der diesen bizarren Verfall der bürgerlichen Werte mit der Kamera dokumentiert, um seiner Karriere als Fernsehproduzent auf die Sprünge zu helfen.
In den Zentren der Macht geht es nur scheinbar nobel zu. Kälte, wo Wärme sein sollte. Schmucklosigkeit, wo eigentlich Prachtvolles vermutet würde. Ein Tisch, ein wenig Obst, ab und an mal eine Zigarette. Geschäftsmäßig sehen die Räume aus, in denen die Mächtigen agieren.
Die Versuchsanordnung im Dortmunder Studio ist einfach. Zwei milchige Räume. Ein CD-Spieler. Eine Videoleinwand. Kamera. Beamer. Mikrophone. Zwei Schauspieler, die scheinbar um ihr Leben spielen, oder es längst verspielt haben. Einen DJ, wie vom Autor Iwan Wyrypajew vorgesehen, brauchen sie längst nicht. Sie ringen bereits um Sauerstoff, um Drogen, Sein und Schein, Logik und Abstrusitäten des Lebens. „Also raucht lieber Gras, esst Äpfel und trinkt Saft als besoffen vor dem Fernseher rumzuhängen“. So schreibt der russische Dramatiker aus dem Moskauer Underground, aber es passt wohl auf alle dekadenten westlichen Gesellschaften. Und das macht sein Stück „Sauerstoff“ seit 2004 zu einem Renner auf den europäischen Bühnen.
Was den Markt zum Wohle und Reichtum aller steuert, ist eine gespenstische Erscheinung: eine unsichtbare Hand, wie Adam Smith in seinem berühmt gewordenen Buch „Der Wohlstand der Nationen“ bereits Ende des 18. Jahrhunderts formulierte. Diese unsichtbare Hand lenkt, schaltet und waltet heute zunehmend unkontrollierter, ungezügelter, hemmungsloser.
Außenseiter haben immer ein schwieriges Leben. Die Gesellschaft schiebt sie an den Rand, grenzt sich von ihnen ab, weil sie anders sind, nonkonform, latent gefährlich für Ordnung, Besitzstand und Ideologie. Das ist in der Jugendkultur schon einmal kultiviert worden, als die Hippies zu Werbeträgern ganzer Branchen konvertiert wurden.
Wer auf Nummer Sicher gehen will, tourt vor seiner offiziellen Premiere durch die Lande, testet die Publikumsreaktionen und feilt hinterher an den Pointen. Einen hohen Aufmerksamkeitsfaktor erwirbt man sich überdies, indem man sein Gesicht beizeiten in Fernsehkameras hält. Genau das trifft auf Carolin Kebekus zu, deren Ruf als talentierte Nachwuchs-Komödiantin die Erwartungen in schwindelnde Höhen geschraubt hat.
Persönliche Fürwörter haben was für sich. Insbesondere wenn es im Theater um die Hauptpersonen eines Stückes geht. Zuerst geht es dafür im Februar nach Bochum, wo die „Parzival“-Version des Schweizer Theaterschreibers Lukas Bärfuß Premiere hat. Der hat den ollen Schinken fürs Theater in Hannover auf Vordermann gebracht. In Hagen kämpft Norbert Hilchenbach mit der Multikulti-Zweiakt-Oper „Gegen die Wand“ und Ulrich Greb in Moers mit der bösen „unsichtbaren Hand“, die alles steuert.
Als die Macher von RUHR.2010 im Dezember Bilanz zogen, war ihr Resumee bis auf die Katastrophe bei der Loveparade in Duisburg positiv. Mehr als 10 Millionen Besucher, das Ruhrgebiet als Kulturraum, Kooperationen der Städte, Stärkung der Ruhrmetropolen-Identität waren die Stichworte. Doch was hat RUHR.2010 eigentlich einem Theater wie dem in Oberhausen und seinem Intendanten Peter Carp gebracht?
Ob diejenigen, die im gerade vergangenen Kulturhauptstadtjahr 2010 für gute Stimmung gesorgt haben, auch selbst etwas von dem Kuchen abbekommen haben, bleibt die große Frage. Doch wie wir sie kennen, die Kabarettisten und Comedians aus dem Pott: Sie werden‘s verschmerzen. So leicht bringt man die Menschen im Ruhrgebiet nämlich nicht um ihren Humor.
Ehemalige unter sich – selbst zehn Jahre nach dem Abitur haben sich die alten Schulrituale erhalten. Das pubertäre Begrüßungsritual zweier Jungs; das Wer-sitzt-neben-Wem der Mädchen. Hinzugekommen sind die Polster an all den Problemzonen des Erwachsenseins. Fast sichtbar wachsen den sechs Schauspielern im Bochumer Theater unten die fleischfarbenen Ungetüme an Hüfte, Bauch und Po und machen die verstreichenden Jahrzehnte kenntlich.
Doch die Problemzonen, die Jan Neumanns neues Stück „Hochstapeln“ schildert, liegen woanders.
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