
Lieblingsmenschen – Die außergewöhnliche Freundschaft von Agnes und Amir
Deutschland 2026, Laufzeit: 108 Min., FSK 6
Regie: Helena Hufnagel
Darsteller: Katharina Thalbach, Bardo Böhlefeld, Ulrike Kriener
Poetisch-liebenswerte Freundschaftsgeschichte
Win-Win-Situation
„Lieblingsmenschen” von Helena Hufnagel
Dem Film hätte man in Anlehnung an die erfolgreichen Romane von Jonas Jonasson und deren Kinoadaptionen mit Robert Gustafsson („Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“) auch den Titel „Die Hunderteinjährige, die wieder Sinn im Leben fand“ geben können. Die unglaubliche Freundschaftsgeschichte über Generationen hinweg, die Helena Hufnagel („Generation Beziehungsunfähig“) in ihrem neuen Film „Lieblingsmenschen“ erzählt, basiert tatsächlich auf realen Vorkommnissen, die sich Anfang der 2020er Jahre in Berlin ereigneten und auf ein breites Medienecho stießen. Damals hatte der homosexuelle Iraner Amir Farahani aufgrund der menschenverachtenden Gesetzgebung in seinem Heimatland in Deutschland Asyl beantragt. Per Zufall kam er bei der über 100jährigen Seniorin Agnes Jeschke unter, die in ein Altersheim eingewiesen werden sollte. Die Win-Win-Situation, durch die Amir einen festen Wohnsitz vorweisen und sich deshalb für Jobs bewerben konnte, und Agnes einen ständigen Mitbewohner bekam, ließ eine echte Freundschaft zwischen den beiden wachsen, die wahrlich Kinopotenzial besitzt.
Obwohl Amir (Bardo Böhlefeld) in seinem Heimatland Iran aufgrund seiner Homosexualität die Todesstrafe droht, wird ihm in Berlin die Aufenthaltsgenehmigung verweigert. Ohne sie darf er nicht arbeiten, und ohne Arbeit würde er keine Wohnung finden. Durch einen glücklichen Zufall ist die 101jährige Agnes (phänomenal: Katharina Thalbach) darauf angewiesen, jemanden zu sich in die Wohnung zu nehmen, da sie ansonsten in ein Pflegeheim umziehen muss. Zwischen den ungleichen Menschen völlig verschiedener Generationen entwickelt sich innerhalb kürzester Zeit eine tiefe Freundschaft, die beiden zugutekommt. Agnes hat sogar den Traum, gemeinsam mit Amir an einem Tanzwettbewerb teilzunehmen, um dadurch einen Weltrekord aufzustellen.
„Lieblingsmenschen“ ist ein Film, der auf poetische Weise zu Herzen geht, ohne sentimental zu werden. Helena Hufnagel und ihr Drehbuchautor Malte Welding orientieren sich dabei weitgehend an der realen Geschichte der beiden Hauptfiguren, haben lediglich aus dramaturgischen Gründen die Tanzwettbewerb-Episode hinzugedichtet. Immerhin sind Agnes und Amir auch in Wirklichkeit miteinander tanzen gegangen! Katharina Thalbach ist in ihren Rollen gerne eher laut als leise, aber als quirlige Greisin kann sie mit exzellentem Alters-Make-up, das sie rund 30 Jahre älter macht, durchweg überzeugen. In vielen kleinen Details erweckt sie ihre Agnes Jeschke glaubhaft zum Leben, ohne dabei jemals über das Ziel hinauszuschießen und diese zu einer Karikatur zu machen. Das Drehbuch ist ausgeklügelt genug, um beiden zentralen Figuren genug Zeit zu widmen, um sie und ihre Probleme greifbar und authentisch zu machen. So ist „Lieblingsmenschen“ ein sozialkritischer Kommentar zum Umgang mit alten Menschen in Deutschland und eine offene und anschauliche Kritik an der Asylpolitik unseres Landes und der hierfür zuständigen Ämter.
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